Sie hatten einen neuen Gärtner bekommen. In ihrer Weisheit hatten die Damen einen verheirateten genommen, damit er nicht hinter den Mägden herlaufe. Das Unglück aber wollte, dass der Gärtner so lange verheiratet gewesen war, dass die Frucht seiner Ehe in der lieblichen Gestalt einer Tochter hatte reifen können.
Herr Frithiof entdeckte bald die schöne Blume unter den andern Rosen des Gartens. Alles, was sich bei ihm an Wohlwollen gegen die Hälfte der Menschheit, zu der er nicht gehörte, angesammelt hatte, begann sich jetzt diesem jungen Mädchen gegenüber, das verhältnismässig fein gewachsen war und etwas Erziehung erhalten hatte, zu äussern.
Er ging oft in den Garten und plauderte lange mit ihr, wenn sie an einem Beet arbeitete oder Blumen pflückte. Sie aber verhielt sich ablehnend gegen ihn; doch wuchs dadurch seine Neigung nur noch mehr.
Eines Tages ritt er durch den Wald und hatte wieder wie gewöhnlich Hallucinationen von ihrer Gestalt, die für ihn die Natur des Vollkommenen angenommen. Er war krank vor Sehnsucht, allein in ihrer Nähe zu sein, ohne fürchten zu müssen, dass jemand darüber unwillig werde. Dieses Glück hatte für seine erhitzte Einbildung so ungeheuerliche Proportionen angenommen, dass er ohne sie nicht mehr leben wollte.
Das Pferd ging Schritt vor Schritt mit losen Zügeln den Pfad dahin, während der Reiter auf seinem Rücken in Gedanken versank. Plötzlich sah er etwas Helles zwischen den Bäumen schimmern, und hervor trat das Mädchen des Gärtners. Herr Frithiof stieg ab und grüsste. Dann gingen sie zusammen weiter und plauderten, während er das Pferd hinter sich herzog. Er sprach in dunkeln Worten von seiner Liebe zu ihr; sie aber wies jeden Antrag zurück.
– Warum sollen wir von dem Unmöglichen sprechen, sagte sie.
– Was ist unmöglich? rief er aus.
– Für mich als armes Mädchen ist es unmöglich, die Frau eines reichen und feinen Herrn zu werden.
Die Bemerkung war richtig, und Herr Frithiof fühlte sich geschlagen. Seine Liebe war grenzenlos, aber er sah keine Möglichkeit, seine Hindin durch die Koppel zu führen, die Haus und Hof bewachte; die würde sie sicher in Stücke reissen.
Nach diesem Gespräch überliess er sich einer stillen Verzweiflung.