Das Herz schlägt mir, ich bekenne die nichtswürdige Lüge über meine angebliche Untreue, ich bitte um Verzeihung, und ehe ich mich dessen versehe, schreibe ich wieder einen Liebesbrief an meine Ehegattin. Doch verschiebe ich unsere Wiedervereinigung auf einen günstigeren Zeitpunkt.
Am nächsten Morgen eile ich zu meinem Chemiker nach dem Boulevard Magenta.
Im geschlossenen Umschlag bringe ich den Schein der Analyse ins Krankenhaus. Als ich auf dem innern Hof am Standbild des heiligen Ludwig vorbeigehe, erinnere ich mich an die drei Werke des Heiligen: die Blindenanstalt, die Universität, die Kapelle; die kann man übersetzen: "Vom Leiden durch Wissen zur Busse."
In meinem Zimmer eingeschlossen, öffne ich den Umschlag, der meine Zukunft entscheiden soll. Ich lese:
"Das uns zur Untersuchung übergebene Pulver zeigt diese Eigenschaften. Farbe: grauschwarz; hinterlässt Spuren auf Papier. Dichtigkeit: sehr gross, grösser als die mittlere Dichtigkeit des Graphit; es scheint ein harter Graphit zu sein. Chemische Untersuchung: dieses Pulver brennt leicht und entwickelt dabei Kohlenoxyd und Kohlensäure; es enthält also Kohle."
Reiner Schwefel enthält Kohle!
Ich bin gerettet. Ich kann in Zukunft meinen Freunden und Verwandten beweisen, dass ich kein Tor bin. Bestätigt sind die Lehren, die ich in meiner Arbeit "Antibarbarus" aussprach. Als ich die vor einem Jahr veröffentlichte, behandelte die Presse sie wie das Werk eines Charlatans oder Toren, und meine Familie jagte mich davon als Taugenichts, als ein Cagliostro.
Jetzt, meine Gegner, seid ihr zu Boden geschlagen! Mein Ich schwillt von gerechtem Stolz, ich will das Krankenhaus verlassen, auf den Strassen schreien, vor dem Institut brüllen, die Universität niederreissen ... aber meine Hände sind mir gebunden, und als ich auf den Hof hinauskomme, rät mir die hohe Einfriedung: Geduld.
Als ich dem Apotheker das Ergebnis der Analyse mitteile, schlägt er mir vor, eine Kommission zusammenzubringen, vor der ich meine Behauptung durch versuche beweise.
Da ich aber nicht warten will und meine Scheu vor öffentlichen Auftritten kenne, schreibe ich einen Aufsatz über den Gegenstand und schicke den an die Temps.