Da sich aber die alten und neuen Ansichten während dieser Epoche des Übergangs so kreuzen, dass sie sich verstricken, nimmt man es nicht so genau mit einem Alten, wie ich es bin, lauscht nicht so ernsthaft auf meine Argumente, sondern fragt mich lieber nach Neuigkeiten in der Welt der Ideen.

Ich schliesse ihnen den Vorhof zum Isistempel auf und sage voraus, dass der Okkultismus im Anzuge ist. Da tobt man und säbelt mich nieder, indem man die Waffen benutzt, die ich selbst während zwanzig Jahre gegen Aberglauben und Mystizismus geschmiedet habe.

Da diese Debatte immer in Kneipen bei unmässigem Verbrauch vom Saft der Traube gehalten werden, vermeidet man in heftigen Wortwechsel zu geraten, und ich gewöhne mich daran, nur Tatsachen und wirkliche Fälle zu erzählen, indem ich die Maske eines aufgeklärten Skeptikers anlege. Es kann gewiss nicht gesagt werden, dass man Widerwillen gegen alles Neue hat, im Gegenteil; aber man ist konservativ geworden, das es das Ideal gilt, das man sich durch Streit erkämpft hat; man ist nicht geneigt zu desertieren, noch weniger einen Glauben abzuschwören, der durch Bluttaufe teuer bezahlt worden ist. Es kommt also mir zu, zwischen dem Naturalismus und dem Supernaturalismus eine Brücke zu schlagen, indem ich verkündige, dass der letzte nur eine Entwicklung des ersten ist.

Zu diesem Zweck stelle ich das Problem auf, eine, wie eben angedeutet, natürliche und wissenschaftliche Lösung für alle unerklärlichen Erscheinungen zu geben, die uns auf den Leib gerückt sind. Ich zerspalte meine Persönlichkeit und zeige der Welt den naturalistischen Okkultisten, erhalte aber aufrecht in meinem Innern und pflege den Keim zu einer konfessionslosen Religion. Oft gewinnt die exoterische Rolle die Oberhand; ich mische meine beiden Naturen so durcheinander, dass ich über meinen neuerworbenen Glauben lachen kann; das trägt dazu bei, dass meine Theorien sich bei den widerspenstigen Gemütern einschleichen können.

Der Dezember vergeht träge und furchtbar düster unter einem dunkelgrauen rauchigen Himmel. Obgleich ich bei Swedenborg Aufklärung über die Art meiner Leiden gewonnen habe, kann ich mich nicht dazu bringen, mich auf einmal unter die Hand der Mächte zu beugen. Mein Hang, Einwendungen zu machen, erhebt sich, und ich will immer noch die eigentliche Ursache nach aussen verlegen und sie in der Bosheit der Menschen suchen. Tag und Nacht von "elektrischen Strömen" angegriffen, welche die Brust zusammenklemmen und ins Herz stechen, verzichte ich auf meine Folterkammer und besuche das Wirtshaus, wo ich Freunde treffe. Aus Furcht, nüchtern zu werden, trinke ich; das ist das einzige Mittel, um nachts schlafen zu können. Aber Ekel und Schamgefühl, im Verein mit der friedlosen Unruhe, nötigen mich damit aufzuhören, und einige Abende gehe ich in das Café der Temperänzler, das den Namen "Das blaue Band" trägt. Doch, ich werde ängstlich vor der Gesellschaft, die man dort trifft. Bläulichblasse und abgequälte Gesichter, unheimliche und böse Augen, und ein Schweigen, das nicht der Friede von Gott ist.

Wenn alles zusammen kommt, ist der Wein eine Wohltat und die Enthaltsamkeit eine Züchtigung. Und ich kehre nach dem halbnüchternen Wirtshaus zurück, ohne dort die Grenzen zu überschreiten, nachdem ich mich selbst mit Teeabenden gestraft habe.

Weihnachten steht vor der Tür und ich sehe dem Fest der Kinder mit einer kühlen Bitterkeit entgegen, die ich kaum mit dem Namen Resignation ehren will. Seit sechs Jahren habe ich alles leiden müssen und bin nun gefasst auf alles.

Einsam und in einem Hotel! Nun, das ist ja lange mein Alp gewesen, und ich habe mich daran gewöhnt. Es sieht aus, als ob alles, was ich verabscheue, mir vorbehalten wäre.

Inzwischen ist die Vertraulichkeit zwischen mir und dem Freundeskreise so gross geworden, dass man anfängt mir sein Herz auszuschütten. Die Sache ist die: Während der letzten Monaten sind so manche Dinge geschehen.... So?

So manche ungewöhnliche, unerwartete Dinge....