Am selben Tage nahm ich mein Abendessen allein im kleinen Speisesaal der Kneipe ein. Ein Mann, den ich nicht kannte, trat herein, augenscheinlich, um jemand zu suchen. Er bemerkt mich nicht, obgleich er an allen Tischen nachguckt; und überzeugt, dass er allein im Zimmer ist, fängt er laut an zu fluchen und laut mit sich selbst zu sprechen. Um ihn auf die Gegenwart eines Gastes aufmerksam zu machen, klopfe ich mit der Gabel an ein Glas. Der Fremde macht sofort eine Bewegung und ist überrascht, jemand im Zimmer zu sehen; er schweigt plötzlich und hat Eile, sich fort zu begeben.

Von Stund an beginne ich, über die Frage der Dematerialisation zu grübeln, welche die Okkultisten anerkennen. Und die Beweise folgen Schlag auf Schlag.

Eine Woche später wird meine Aufmerksamkeit von einem neuen, sonderbaren Ereignis geweckt. Es war ein Mittwoch, wo der Speisesaal infolge des Wochenmarktes mit Landleuten vollgepfropft ist. Um dem Gedränge und der Unbehaglichkeit auszuweichen, hat mein gewöhnlicher Tischkamerad ein besonderes Zimmer bestellt; da er früher als ich gekommen ist, erwartet er mich im Vestibül und bittet mich hinauf zu gehen. Um aber Zeit zu gewinnen, kommen wir überein, den allgemeinen Butterbrottisch im Saale in Anspruch zu nehmen. Widerwillig marschiere ich hinter meinem Freund hinein, weil ich die betrunkenen Bauern und deren Verunglimpfungen scheue. Wir kamen durch den Haufen an den Butterbrottisch heran, wo sich nur ein, übrigens sehr friedliches, Individuum befand.

Nachdem wir dort etwas zu uns genommen hatten, wobei ich kein Wort mit meinem Freunde wechselte, zogen wir uns in unser Zimmer zurück, ich hinter ihm. An der Tür zeigt sich mein Freund sehr erstaunt, mich zu sehen.

—Was? Wo kommst du her?

—Vom Butterbrottisch natürlich.

—Ich habe dich dort nicht gesehen; darum glaubte ich, du seist hier geblieben!

—Hast du mich nicht gesehen? Wir haben ja die Hände über den Schüsseln gekreuzt.... Kann ich mich denn unsichtbar machen?

—Komisch ist es jedenfalls!

Wenn ich in meiner Erinnerung grabe, bringe ich jetzt geheime Fonds an den Tag, die bisher ohne Wert für einen Zweifler waren, dessen Gemüt unter der Beschäftigung mit den exakten Wissenschaften steril geworden ist. So erinnere ich mich des Morgens meines ersten Hochzeitstages. Es war ein Wintersonntag, eigentümlich still und unangenehm feierlich für mich, der sich bereitete, das unreine Junggesellenleben zu verlassen und sich mit der Frau, die ich liebte, am ehelichen Herd niederzulassen. Ich fühlte eine Lust, mein Frühstück, das letzte in meinem Junggesellenleben, ganz allein einzunehmen; zu diesem Zweck ging ich in ein unterirdisches Café, das in einer unansehnlichen Gasse lag. Es war ein Kellerraum, mit Gas erleuchtet. Als ich Kaffee-Frühstück bestellt habe, bemerke ich, dass ich den Blicken einer Gesellschaft Männer ausgesetzt bin, die augenscheinlich seit dem Abend um die Flaschen sitzen, gespensterhaft bleich, unmanierlich, nachlässig gekleidet, heiser und garstig, wie sie nach einer in Ausschweifungen zugebrachten Nacht sind. Unter der Gesellschaft erkannte ich zwei Jugendfreunde wieder, die so heruntergekommen waren, dass sie jetzt weder Haus noch Heim noch eine Beschäftigung besassen, notorische Taugenichtse, die vielleicht sogar ans Verbrechen streiften.