Mithin fange ich an "Inferno" zu schreiben.

Man erzählt mir, dass eine sehr bekannter Zeitungsmann plötzlich attackiert worden ist durch nächtliche Anfälle des jetzt üblichen Schlages. Und die Okkultisten setzen das in Zusammenhang mit einem rücksichtslosen Nachruf über einen verdienten Mann, der neulich verstorben ist.

Als ich Wagners "Rheingold" lese, entdecke ich einen grossen Dichter und begreife nun, warum ich das Grosse an diesem Musiker nicht verstanden habe: dessen Musik ist allein Begleitung zu seinen Textworten. Übrigens ist "Rheingold" für meine Rechnung geschrieben:

Wellgunde.
Weisst du denn nicht,
Wem nur allein
Das Gold zu schmieden vergönnt?
Woglinde.
Nur wer der Minne
Macht versagt.
Nur wer der Liebe
Lust verjagt,
Nur der erzielt sich den Zauber
Zum Reif zu zwingen das Gold.
Wellgunde.
Wohl sicher sind wir
Und sorgenfrei:
Denn was nur lebt will lieben,
Meiden will keiner die Minne.
Woglinde.
Am wenigsten er,
Der lüsterne Alp:


Alberich.
(Die Hand nach dem Golde ausstreckend.)
Das Gold entreiss' ich dem Riff,
Schmiede den rächenden Ring:
Denn hör' es die Flut—So
verfluch' ich die Liebe!

12. Mai.

Mit dumpfer Resignation habe ich fünf Monate lang Cichorienkaffee getrunken, ohne mich zu beklagen. Ich wollte sehen, ob es eine Grenze gebe für die Kühnheit einer unehrlichen Frau (die meinem Morgenkaffee kocht). Ganze fünf Monate habe ich gelitten, jetzt will ich mich des Göttertrankes mit dem berauschenden Duft erfreuen. Zu diesem Zweck kaufe ich ein Pfund der teuersten Kaffeesorte. Das war zur Mittagszeit.

Am Abend lese ich in Peladan, L'Androgyne, Seite 107: "Er erinnert sich folgender Anekdote eins alten Missionars. Am Ende seiner Missionsreise, während einer Anfangspredigt von grosser Wichtigkeit wurde ich von Unfähigkeit getroffen, sobald ich das Wort "meine Brüder" ausgesprochen hatte; kein Gedanke in meinem Gehirn, nicht ein Wort, auf meinen Lippen. Heilige Jungfrau—bat ich in mir—ich habe nur eine Schwäche beibehalten, meine Tasse Kaffee, ich opfere sie dir; und sofort kam die Spannkraft meiner Seele wieder, ich übertraf mich selbst und tat manchen Seelen viel Gutes."

Welche Rolle als Hausfriedensstörer hat nicht der Kaffe in meiner Familie gespielt! Ich schäme mich daran zu denken, umsomehr da ein glückliches Resultat nicht vom guten Willen und Geschicklichkeit abhängt, sondern von unberechenbaren Umständen.