—Aber das kann ich nicht; und ich ziehe vor, meine Schulden selbst durch Leiden zu bezahlen. Es gibt Augenblicke, da ich mich nach einem grausamen Tod sehne, auf dem Scheiterhaufen lebendig verbrannt werden möchte, um die Schadenfreude zu empfinden, meinem eigenen Körper, diesem Gefängnis der Seele, die zu den Höhen strebt, wehe zu tun. Und das Himmelreich ist für mich, von materiellen Bedürfnissen befreit zu werden; Feinde wiederzusehen, um ihnen zu verzeihen und ihre Hände zu drücken. Keine Feinde mehr! Kein Groll! Das ist mein Himmelreich!—Weist du, was das Leben erträglich für mich macht? Dass ich mir zuweilen einbilde, es sei nur eine Halbwirklichkeit, ein böser Traum, der uns als Strafe auferlegt ist; und dass man im Augenblick des Todes zu der wirklichen Wirklichkeit aufwacht, indem man zum Bewusstsein kommt, das es bloss ein Traum war; alles Böse, das man getan hat, nur ein Traum. So werden die Gewissensbisse ausgetilgt in und mit der Handlung, die nicht begangen worden ist! Das ist Erlösung, Errettung!
25. Juni.
"Inferno" ist jetzt fertig geschrieben. Ein Marienkäfer hat sich auf meine Hand gesetzt. Ich warte ein Wahrzeichen ab für die Reise, die ich vorbereite. Der Marienkäfer fliegt auf und nimmt den Kurs nach Süden! Südwärts also.
Von diesem Augenblick setzte ich meine Abreise nach Paris fest. Aber es scheint mir zweifelhaft, ob die Mächte mir ihre Zustimmung geben. Ein Raub innerer Kämpfe lasse ich den Juli verfliessen, und mit dem Eintritt des August erwarte ich ein Zeichen, um mich zu bestimmen. Zuweilen fällt mir ein, dass die Lenker meines Schicksals nicht unter sich einig sind, und dass ich der Gegenstand einer längeren Erörterung bin. Einer treibt mich an, und ein anderer hält mich zurück.
Schliesslich am Morgen des 24. August steige ich aus dem Bett, ziehe die Fenstergardine auf und erblicke eine Krähe, die auf dem Schornstein eines sehr hohen Hauses sitzt. Sie nimmt sich ganz so aus wie der Hahn auf dem Turm der Kirche Notre-Dame-des-Champs (siehe "Inferno"), stellt sich, als fliege sie ihres Weges, mit den Flügeln schlagend und nach Süden gewandt.
Ich öffne das Fenster. Da erhebt sich der Vogel, laviert, fliegt gerade auf mich zu und verschwindet.
Ich nehme das Wahrzeichen an und packe meine Sachen.