Dritter Akt
DER HIMMEL
Gott und Uriel.
URIEL:
Wehe uns, unsere Freude ist aus.
GOTT:
Was ist geschehen?
URIEL:
Lucifer hat den Bewohnern der Erde unsere Handlungsweise enthüllt; sie wissen alles und sind glücklich.
GOTT:
Glücklich! Wehe uns!
URIEL:
Noch mehr, er hat ihnen das Geschenk der Befreiung gegeben: sie können also ins Nichts zurückkehren.
GOTT:
Sterben!... Gut! Dann sollen sie sich vermehren, ehe sie sterben. Es werde die Liebe!
Vierter Akt
IN DER HÖLLE
LUCIFER:
(gebunden). Seit die Liebe in die Welt gekommen ist, ist meine Macht tot. Abel wurde durch Kain befreit, aber erst, nachdem er sich mit seiner Schwester fortgepflanzt hatte. Ich will euch alle befreien! Wasser, Meere, Quellen, Flüsse, ihr wisst die Flamme des Lebens zu erlöschen, steigt! vernichtet!
Fünfter Akt
DER HIMMEL
Gott und Uriel.
URIEL:
Wehe uns, unsere Freude ist aus.
GOTT:
Was ist geschehen?
URIEL:
Lucifer hat auf das Wasser geblasen: es steigt und befreit die Sterblichen!
GOTT:
Ich weiss! Aber ich habe ein Paar von den am wenigsten Aufgeklärten gerettet, das niemals das Wort des Rätsels erfahren wird. Die Arche der beiden ist schon auf dem Berg zwischen den drei Wassern gelandet, und sie haben Dankopfer dargebracht.
URIEL:
Aber Lucifer hat ihnen eine Pflanze gegeben, die sie Weinrebe nennen und deren Säfte die Torheit heilt. Ein Trunk Wein, und sie werden sehend.
GOTT:
Die Vorwitzigen! Sie wissen nicht, dass ich ihre Pflanze mit seltsamen Tugenden begabt habe: Wahnsinn, Schlaf, Vergessen. Sie werden nicht mehr wissen, was ihre Augen gesehen haben.
URIEL:
Wehe uns! Was machen sie dort unten, die törichten Bewohner der Erde?
Sie bauen einen Turm. Sie wollen den Himmel stürmen. Lucifer hat sie fragen gelehrt. Gut! Ich werde ihre Zungen berühren, dass sie Fragen fragen, ohne Antwort zu erhalten; und mein Bruder Lucifer verstumme.
Sechster Akt
DER HIMMEL
Gott und Uriel.
URIEL:
Wehe uns, Lucifer hat seinen Sohn gesandt, der den Menschen die Wahrheit lehrt....
GOTT:
Was sagt er?
URIEL:
Geboren von einer Jungfrau, will dieser Sohn gekommen sein, um die Menschen zu befreien, und durch seinen eigenen Tod will er den Schrecken des Todes aufheben.
GOTT:
Was sagen die Menschen?
URIEL:
Die einen sagen, der Sohn sei Gott, die andern, er sein der Teufel.
GOTT:
Was verstehen sie unter dem Teufel?
URIEL:
Lucifer!
GOTT:
(zornig). Mich reut, den Menschen auf Erden geschaffen zu haben; er ist stärker geworden als ich, und ich weiss nicht mehr, wie ich diese Menge von Toren und Dummen lenken soll. Amaimon, Egyn, Paymon, Oriens, nehmt mir diese Last ab; stürzt den Ball in die Abgründe. Fluch auf das Haupt der Rebellen! Pflanzt auf der Stirn des verwünschten Planeten den Galgen auf, das Zeichen des Verbrechens, der Züchtigung und des Leidens.
(Egyn und Amaimon erscheinen.)
EGYN:
Herr! Euer grausamer Wille und das ausgesprochene Wort haben ihre Wirkung getan! Die Erde stürmt auf ihrer Bahn dahin; die Berge stürzen ein, die Wasser überschwemmen das Land; die Achse zielt nach Norden; Kälte und Finsternis, Pest und Hunger verheeren die Völker; die Liebe ist in tödlichen Hass verwandelt, die kindliche Ehrerbietung in Elternmord. Die Menschen glauben in der Hölle zu sein, und Ihr, Herr, Ihr seid entthront!
GOTT:
Zu Hilfe! Ich bereue meine Reue!
AMAIMON:
Zu spät! Alles geht seinen Gang, seit Ihr die Kräfte entfesselt habt....
GOTT:
Ich bereue! Ich habe Funken meiner Seele in unreine Geschöpfe gelegt, deren Hurerei mich erniedrigt, wie die Gattin ihren Gatten besudelt, wenn sie ihren Körper besudelt.
EGYN (zu Amaimon):
Der Alte redet irre!
GOTT:
Meine Tatkraft erschöpft sich, wenn sie sich von mir entfernen; ihre Verderbnis ergreift mich; die Torheit meiner Nachkommenschaft steckt mich an. Was habe ich begangen, Ewiger? Habe Erbarmen mit mir! Weil er den Fluch geliebt hat, falle der Fluch auf ihn zurück; und weil er kein Wohlgefallen am Segen gehabt hat, weiche der Segen von ihm.
EGYN:
Welcher Wahnsinn!
GOTT:
(wirft sich nieder). Herr, Ewiger, es gibt unter den Göttern keinen, der dir ähnlich ist! Deine Werke sind unvergleichlich. Denn du bist gross und du tust Wunder; und du allein bist Gott, du allein!
AMAIMON:
Wahnsinn!
EGYN:
Das ist der Lauf der Welt: wenn die Götter sich vergnügen, die Sterblichen sie drum betrügen!...