Ich kann ein Lächeln nicht unterdrücken, wenn ich beobachte, wie der Alp, der mich besessen hat, sich meiner Gefangenenwächter bemächtigt. Aber die ruchlose Freude wird bald bestraft. Ein furchtbarer Anfall überrascht mich; ich erwache davon, dass mein Herzschlag stockt, und höre Worte, die ich in meinem Tagebuch notiert habe. Eine unbekannte Stimme ruft: "Drogist Luthardt"!

Drogist! Vergiftet man mich langsam mit Alkaloiden, die Wahnsinn hervorrufen, wie Bilsenkraut, Haschisch, Digitalin, Stechapfel?

Ich weiss es nicht; aber seitdem verdoppelt sich mein Argwohn.

Man wagt mich nicht zu töten, man will mich nur verrückt machen, durch List, um mich dann in einem Irrenhaus verschwinden zu lassen. Der Schein spricht mehr und mehr gegen den Doktor. Ich entdecke, dass er meine Goldsynthese entwickelt hat, so entwickelt hat, dass er weiter gekommen ist als ich. Übrigens alles, was er sagt, widerspricht sich im nächsten Augenblick, und seine Lügen gegenüber nimmt meine Phantasie den Zaum zwischen die Zähne und fliegt über die Grenzen der Vernunft.

Am 8. August mache ich meinen Morgenspaziergang vor der Stadt. An der Chaussée singt eine Telegraphenstange; ich trete näher, lege mein Ohr daran und lausche wie bezaubert. Am Fuss der Stange liegt zufällig ein Hufeisen. Ich hebe es auf als ein gutes Zeichen und nehme es mit nach Haus.

10 August.—Am Abend wünsche ich dem Doktor, dessen Benehmen mich in den letzten Tagen mehr als je beunruhigt hat, eine gute Nacht. In geheimnisvoller Weise hat er mit sich selbst gekämpft; sein Gesicht ist fahl geworden, seine Augen sind erloschen. Den ganzen Tag über singt oder pfeift er; ein Brief, den er empfing, hat einen starken Eindruck auf ihn gemacht.

Am Nachmittag kommt er von einer Operation nach Haus, seine Hände sind mit Blut befleckt, er bringt einen zwei Monate alten Fötus mit. Er sah wie ein Schlächter aus und sprach in einer unangenehmen Weise über die Befreiung der Mutter.

—Die Schwachen töten und die Starken beschützen! Fort mit dem Mitleid, es bringt die Menschheit herunter!

Ein Schrecken hat mich vor ihm erfasst. Nachdem wir uns an der Tür, die unsere beiden Zimmer trennt, gute Nacht gesagt haben, spähe ich nach ihm. Zuerst geht er in den Garten, ohne dass ich hören kann, was er dort macht. Dann tritt er in die Veranda, die neben meinem Schlafzimmer liegt, und bleibt dort. Er hantiert mit einem ziemlich schweren Gegenstand und zieht eine Feder auf, die nicht zu einer Uhr gehört. Alles geht leise vor sich, was auf Geheimniskrämerei oder verdächtige Arbeit deutet.

Halb entkleidet, erwarte ich stehend und unbeweglich, meinen Atem anhaltend, die Wirkung dieser geheimnisvollen Vorbereitungen.