Der Anblick dieser seltsamen, einzigartigen Landschaft überrascht mich, und der Gedanke kommt mir: ich habe sie schon gesehen; aber wo? wo?

Auf der Zinkschale im Hotel Orfila! In Eisenoxid gezeichnet. Es ist dieselbe Landschaft, ohne Zweifel!

Meine Tante steigt mit mir ins Dorf hinunter, wo sie über eine Wohnung von drei Zimmer verfügt, in einem grossen Gebäude, das eine Bäckerei, eine Schlächterei, eine Schenke enthält. Das Haus ist mit einem Blitzableiter versehen, weil der Blitz vor einem Jahr den Boden eingeäschert hat.

Als meine gute Tante, die ebenso aufrichtig fromm wie ihre Schwester ist, mich in das für mich bestimmte Zimmer führt, bleibe ich, wie von einer Vision erregt, auf der Schwelle stehen. Die Wände sind rosa gestrichen, rosa wie die Morgenröte, die mich auf meiner Reise nicht verliess. Die Vorhänge sind rosa, und die mit Blumen besetzten Fenster lassen das Tageslicht gefärbt ins Zimmer fallen. Eine peinliche Sauberkeit waltet hier, und das altertümliche Bett mit seinem von vier Säulen getragenen Himmel ist das Lager einer Jungfrau. Das ganze Zimmer, mit der Art seiner Einrichtung, ist ein Gedicht, die Eingebung einer Seele, die nur halb auf dieser Erde lebt. Das Kruzifix ist nicht da; aber die Jungfrau Maria; und der Weihkessel behütet den Eingang gegen die bösen Geister.

Ein Gefühl von Scham erfasst mich, ich fürchte diese Phantasie eines reinen Herzens zu besudeln, das diesen Tempel der jungfräulichen Mutter auf dem Grabe ihrer einzigen, seit mehr als zehn Jahren begrabenen Liebe errichtet hat. Und ich versuche in schlecht gesetzten Worten das hochherzige Angebot abzulehnen.

Aber die gute Alte gibt nicht nach:

—Es wird dir gut tun, deine irdische Liebe der Liebe zu Gott zu opfern und der Zärtlichkeit, die du für dein Kind hegst. Glaube meinem Wort: diese Liebe ohne Dornen wird dir den Frieden des Herzens, die Heiterkeit des Gemüts wiedergeben, und unter dem Schutz der Jungfrau wirst du nachts ruhig schlafen.

Ich küsse ihr die Hand, zum Zeichen der Dankbarkeit für das Opfer, das sie mir bringt, und mit einer Zerknirschung, der ich mich nicht für fähig gehalten hätte, nehme ich im Ernst an. Ich bin überzeugt, dass ich von den Mächten begnadigt werde, da sie die zu meiner Bestrafung bestimmten Züchtigungen eingestellt haben.

Doch unter irgendeinem Vorwand behalte ich mir das Recht vor, eine letzte Nacht in Saxen zu schlafen und die Übersiedlung auf den nächsten Tag zu verschieben. Ich kehre also, von meiner Tante begleitet, zu meinem Kinde zurück. Auf der Dorfstrasse bemerke ich, dass der Blitzableiter und sein Leitungsdraht gerade über meinem Bett befestigt sind.

Welcher teuflische Zufall, der wie persönliche Verfolgung auf mich wirkt!