—Die Gnade wird dir angeboten, und du ziehst das Linsengericht dem Erstgeburtsrecht vor!
—Die Erstgeburt für den Sohn der Magd? Das ist zu viel! viel zu viel!
Durch Swedenborg wieder aufgerichtet, bilde ich mir noch einmal ein, Hiob zu sein, der rechtschaffende und sittenreine Mann, der von dem Ewigen auf die Probe gestellt wird, um den Bösen zu zeigen, wie der redliche Mensch die unbilligen Leiden ertragen kann.
Dieser Gedanke erfüllt meinen Geist so, dass er sich von frommer Eitelkeit bläht. Ich rühme mich meiner widrigen Geschicke, die zu Ende gehen, und höre nicht auf, zu wiederholen: Seht, wie ich gelitten habe! Und ich beklage mich über den Wohlstand, den ich hier bei meinen Verwandten finde; die Rosenkammer ist ein bitterer Spott. Man macht sich lustig über meine aufrichtige Reue, indem man mich mit Wohltaten und kleinen Genüssen des Lebens überhäuft. In Summa: ich bin ein Auserwählter, Swedenborg hat es gesagt, und des Schutzes des Ewigen sicher, fordere ich die Dämonen heraus....
Acht Tage bin ich in dem rosa Zimmer, als die Nachricht ankommt, die Grossmutter, die am Ufer der Donau wohnt, sei krank geworden. Ein Leberleiden hat sie befallen, das von Erbrechen, Schlaflosigkeit und nächtlichen Herzkrisen begleitet ist. Meine Tante, deren Gast ich bin, wird zu ihr gerufen, und ich werde eingeladen, zu meiner Schwiegermutter nach Saxen zurückzukehren.
Ich wende ein, die Alte habe es verboten: aber sie scheint ihren Ausweisungsbefehl zurückgezogen zu haben, und es steht mir frei, zu weilen, wo ich will.
Dass die Grollende ihren Entschluss so plötzlich ändert, setzt mich in Erstaunen, und ich wage diesen glücklichen Umschwung nicht der ihr zugestossenen Krankheit zuzuschreiben.
Am nächsten Tag erzählt man, der Zustand der Kranken habe sich verschlimmert. Meine Schwiegermutter bringt mir als Zeichen der Versöhnung einen Blumenstrauss von ihrer Mutter, und sie vertraut mir an, die Alte bilde sich ein, eine Schlange im Magen zu tragen, habe auch andere Phantasien ähnlicher Art.
Dann erzählt man, der Kranken seien zweitausend Kronen gestohlen worden, und sie habe ihre vertraute Dienerin in Verdacht. Die ist entrüstet über den ungerechten Verdacht und will ihre Herrin wegen Verleumdung verklagen. Der häusliche Friede herrscht nicht mehr in dem Haus einer gebrechlichen Frau, die sich von der Welt zurückgezogen hat, um in Frieden zu sterben.
Jeder Bote bringt uns entweder Blumen oder Früchte oder Wildbret, Fasanen, Kücken, Hechte.