Diese beiden Gebirgssysteme sind geologisch wesentlich verschieden und bieten daher landschaftlich ganz andere Bilder. Als Grenze zwischen beiden kann man die von Königswalde über Tyssa nach Raitza führende Strasse im allgemeinen gelten lassen.

Das Erzgebirge hat hier keine Vorberge gegen die Ebene mehr. Die Längenthäler hören ganz auf, die Querthäler werden oft schluchten- oder passartig und führen auf das Plateau hinauf. In Beziehung auf die Höhe, die am östlichsten Ende des Erzgebirges bei Nollendorf und Peterswald bis zu 630 m. herabsinkt, sowie auf die Mannigfaltigkeit der Gliederung steht dieser östliche Theil dem westlichen weit nach und je weiter man ostwärts schreitet, desto grösser wird die Einförmigkeit, sowohl in geologischer als orographischer Beziehung.

Es zerfällt dieser Theil des Erzgebirges in zwei Gebiete. Das des Porphyrs (desselben wie in Teplitz) von der Niklasberger bis etwa zur Mückenberger Strasse, und das des Gneises, von hier bis zum Quadergebirge. Doch findet sich Granit vor im Norden von Ebersdorf und bei Sellnitz, der Spitzberg nördlich von Schönwald ist merkwürdigerweise ein Basaltkegel.

In touristischer Beziehung gehört dieser Theil zu den dankbarsten Gebirgen. Man findet da herrliche Thäler mit schönen Wiesen und bewaldeten Abhängen, schattige Wälder, reizend gelegene Ortschaften; besonders anziehend sind die häufigen stets wechselnden grossartigen Aussichten auf die Ebene mit ihren vielen Städten und Dörfern, Feldern und Eichen und immer ist dieses Bild durch den Hintergrund des gipfelreichen Mittelgebirges abgeschlossen. Die Wanderung ist eine leichte, eine grosse Zahl guter Strassen und Wege bietet sich dar. Auch für Unterkunft ist gesorgt, man findet in den weit sich hinziehenden Wäldern bald Forsthäuser, die allerlei Erfrischungen im Vorrath haben, bald erreicht man grosse Dörfer mit verschiedenartigen Industrien. Diese haben Gasthäuser, in denen man das Nothwendige für Ruhe und Erquickung vorfindet. Eine besondere Annehmlichkeit bietet die längs des ganzen Gebirges sich am südlichen Abhange dahin windende Dux-Bodenbacher Eisenbahn, man hat eine leichte Verbindung mit den grösseren Städten (Teplitz, Brüx, Aussig, Bodenbach). Aber auch das Plateau hat seine Reize, hier seien vorläufig nur erwähnt die weiten Ausblicke in das Sachsenland. Und schliesslich hat noch das Erzgebirge auch in diesem Theil etwas vor den anderen Gebirgen Deutschlands voraus: ein fleissiges Volk wohnt da, jedes Dörfchen, jedes Städtchen ist die Stätte ununterbrochenen Gewerbfleisses.

Von Teplitz aus dürften sich folgende Touren am besten empfehlen:

I. Nach Kosten und Niklasberg.

Kosten erreicht man am bequemsten, wenn man von Teplitz per Bahn (Dux-Bodenbacher Bahnhof eine ¼ St. von der Stadt auf der Eichwalder Strasse) dahin fährt, da die hinführenden Wege nur wenig Interessantes haben. Die Station Kosten beim Orte selbst. Man gehe durch den Ort zu der schon von weitem sichtbaren neuen Kirche zu, der Weg bietet eine hübsche Aussicht auf das Gebirge und die Ebene. Unweit der Kirche ist der Eintritt in den Park; die gerade ausführende Strasse führt über Doppelburg nach Eichwald (1 St.), ein sehr zu empfehlender Weg, der eine Fülle von schönen Waldpartien, Durchsichten, Wiesen bietet, und speciell sei hier einer altehrwürdigen Eiche mit gewaltigen weithin ragenden Aesten gedacht. Das Jagdschloss, dem Fürsten Lobkowitz gehörig, hat eine sehr anmuthige Lage. Die an der Wegtheilung links abgehende Strasse führt nach Niklasberg (1½ St.). Um nun zu dem prachtvollen, aber wenig bekannten Aussichtspunkte Wolfstein zu kommen, verfolge man diese Strasse von Kosten aus fort immer gerade aus. Nach einer ½ St. erreicht man das in Waldeseinsamkeit versteckte Forsthaus Fuchshütte oder Fuchswarte, wo Erfrischungen zu haben sind. Bisher können Wägen fahren. Wenn man auf einem ziemlich steilen Wege etwa 20–30 Min. aufwärts gestiegen ist, achte man auf einen links abgehenden schmalen, aber ausgetretenen Pfad. Schon nach wenigen Minuten hat man die merkwürdige Porphyrformation des Wolfssteines vor sich.

Eine kleine Holzhütte bietet Ruhe und Erholung.

Die Aussicht von hier wird von Vielen jener vom Mückenthürmchen gleichgestellt. Man überblickt ein weites wechselvolles Panorama. Im Norden und Osten ein herrlicher Wald, der sich stundenweit an den Abhängen des Erzgebirges hinzieht, und den kein anderer Aussichtspunkt in solcher Masse überblicken lässt. Gegen Süden und Westen die Ebene mit allen ihren oft schon erwähnten Schönheiten, die den Blick auf sie immer neu und immer reizend machen.

Darauf geht es zurück auf jenen Weg, der dann nach etwa ¼ Stunde auf eine Strasse trifft. Geht man nun nach links, erreicht man in einer halben Stunde Niklasberg, nach rechts führt die Waldstrasse in etwa 1 Stunde nach Eichwald.