Franzensbad ist einer der berühmtesten Badeorte in Oesterreich-Ungarn, liegt in einem Thalkessel 493m über dem Meere und wurde 1793 zum Badeorte erhoben und nach Kaiser Franz I., dem in den Parkanlagen eine Erzstatue errichtet worden, benannt. Der Ort wird im Norden vom Park, im Westen von Loimanns Anlagen, im Süden u. Osten von den neuen Anlagen umgeben. Touristen, welche binnen wenigen Stunden die interessantesten Puncte des Curortes kennen lernen wollen, ist ein Rundgang durch die Stadt zu empfehlen. Sie gehen vom Bahnhofe durch die Parkstrasse und Karlsstrasse in den Park zum Franzens-Monument und von da in die Kaiserstrasse, wo sie Dr. Loimanns bekanntes und elegant eingerichtetes Badehaus mit der Louisenquelle, dem kalten Sprudel, dem Moorlager und den herrlichen Anlagen besichtigen. Zu diesem grossartigen Badeetablissement legte im Jahre 1827 der Hausbesitzer und Burgverwalter Loimann, der Vater des gegenwärtigen Besitzers Med. Dr. Loimann, den Grund, indem er auf eigene Kosten ein allgemeines Badehaus erbaute. Die Louisenquelle wurde 1807 gefasst, 1808 zum Gebrauche eingerichtet und der damaligen dritten Gemahlin Sr. Majestät des Kaisers Franz, Maria Ludowika, zu Ehren die Louisenquelle genannt. Nur wenige Schritte davon bricht mit Heftigkeit der sogenannte kalte Sprudel hervor. Von da begeben sie sich zur Franzensquelle, sehen hier das Stadt-Egerer Badehaus, und dann weiter in einer herrlichen Allee zur Neu-, Salz- und Wiesenquelle und nehmen auf diesem Wege die grossartigen Badehäuser von Hofrath Dr. Cartellieri und von Singer wahr. Durch die Salzquelle, welche schon 1817 entdeckt war, erhielt Franzensbad seit 1819 einen ganz neuen Aufschwung. Seit dem J. 1837 ist die nahe liegende Wiesenquelle als heilkräftig erprobt und 1840 mit der Salzquelle unter ein gemeinschaftliches Dach gebracht worden.
Nun wird der Rückweg durch die herrliche Morgenzeile zur Kirche und zum Parke angetreten. Der aufmerksam beobachtende und in seinem Urtheile unparteiische Tourist wird finden, dass es Architect und Gärtner verstanden haben, Franzensbad und die nächste Umgebung zu einem eleganten Curorte zu erheben. Die 10 Mineralquellen, alkalisch-salinische Eisensäuerlinge mit bedeutendem Gehalt an Glaubersalz und freier Kohlensäure, denen eminente Heilwirkungen zugeschrieben werden, eine Kohlensäuregasquelle (schon seit 1545 bekannt, aber erst seit 1810 als Heilmittel gebührend anerkannt) und ein reichhaltiges Lager von Eisenmineralmoor, das auf Sand ruht, namentlich aber die vorzüglichen Anlagen mit reizenden Promenadenwegen, die grossstädtischen Strassen, Hôtels und Villen, die prächtigen Kirchen und Denkmäler, vor allen Dingen aber die höchst elegant und luxuriös ausgestatteten Wohnungs- und Vergnügungsräume, die mancherlei Einrichtungen für Unterhaltung, Genuss und allerlei kostspielige Vergnügungen und Liebhabereien, das Zusammenströmen der feinen Welt, die während des Aufenthaltes in der »europäischen Sommerresidenz« (den nordböhmischen Bädern) gewöhnlich die Nachcur hier geniesst, alle diese Umstände erheben Franzensbad zu einem Bad I. Ranges.
Sehenswürdigkeit: Ausser den im Rundgange angeführten: Die Rotunde bei der Franzensquelle mit der Inschrift: »1793 unter Franz I. gegründet zum Wohle der Menschheit«; die Colonade mit zahlreichen Kaufläden, das Monument der Sachsenstiftung unweit der Rotunde mit der Aufschrift:
Herrlicher Quell,
Göttliche Gabe,
Bleibe kräftig und hell,
Stärke, labe
Durch verminderten Körperschmerz
Auch das ermattete kranke Herz,
Bis die letzten Frommen
Zum Urquell ewiger Genesung kommen.
Die katholische Kirche mit einigen werthvollen Gemälden, die im romanischen Styl erbaute protestantische Kirche, die Synagoge im orientalischen Styl und vor allem der Cursaal, das stattlichste öffentliche Gebäude, ein geschmackvoller, brillant ausgestatteter Renaissancebau. Unter den Privathäusern erweckt die Villa Imperial durch ihre freie herrliche Lage inmitten des herrlichsten Parks und nahe der Salzquellpromenade, sowie durch die Pracht der Ausschmückung von Aussen und im Innern die Aufmerksamkeit jedes Besuchers.
Spaziergänge:
Sehr beliebter Spaziergang zur Antonienhöhe in nordöstlicher Richtung (¾ St.), Weg gut, aber nicht schattig. Aufenthalt im Wald sehr angenehm – prächtiger Rundblick über das Egerland.
Nach Miramonte südlich auf der Strasse nach Eger, dann in einer viertel Stunde rechts in einen Promenadenweg abzweigend. Beliebte Restauration, wo man in einem Spiegel die ganze umliegende Landschaft erblickt.
Von Miramonte führt der Weg in westlicher Richtung zum *Kammerbühl, einem erloschenen Vulcan (¼ Stunde). Er gehört unstreitig zu den interessantesten geologischen Erscheinungen und ist vorzugsweise aus vulcanischen Tufen aufgebaut. Die Lagerung dieser Eruptionsproducte lässt sich in ausgezeichneter Weise in dem grossen Bruche hinter der Restauration zum »Kammerbühl« beobachten. In Folge der isolirten Lage bietet der Kammerbühl eine vorzügliche Rundsicht über das Egerland mit seinen zahlreichen Städten und Dörfern, Schlössern und Ruinen, Kirchen und Kapellen, die von den dunkelbewaldeten Bergen des westlichen Erzgebirges oder Kaiserwaldes und des Fichtelgebirges umsäumt werden.