5. Von Olbernhau über Grünthal, Brandau.
Gebäude und Institute: Eine katholische Kirche mit Pfarre, eine vierklassige Volksschule, eine Apotheke – (2 Medizin-Doktoren).
Aemter und Behörden: Stadthaus mit dem Gemeindeamt, ein k. k. Bezirksgericht mit Dependenzen, ein Postamt, ein Gendarmerie-Posten-Commando, eine Finanzwache-Abtheilung.
Industrielle Etablissements: Wirkwaaren-Industrie, Holzdrehereien mit Wasserbetrieb, Brettmühlen, Spielwaarenerzeugung, eine städtische Brauerei.
Die Entstehung der Stadt fällt wahrscheinlich mit dem Ursprunge des Bergbaues zusammen. Geschichtliches ist nichts davon bekannt, als die Begnadigungen, welche der Ort seit dem 16. Jahrhundert, wo er bereits zu Rothenhaus gehörte, erhalten hat. Im Jahre 1528 erhielt die Stadt von Ferdinand I. das Wappen und die Befugniss, mit grünem Wachs zu siegeln. Seit dem dreissigjährigen Kriege kam der Silberbergbau immer mehr in Verfall. In diesem Kriege wurde die Stadt von den Schweden und Sachsen durch Brand und Plünderung hart mitgenommen. Es gingen damals alle Urkunden und andere schriftliche Nachrichten über den früheren Bergbau aus der Zeit vor 1528 zu Grunde. Auch im siebenjährigen Kriege litt die Stadt durch Brandschatzung und Plünderung und verlor namentlich die Bergkassa der bürgerlichen Gewerkschaft.
Kleiner Spaziergang. Zum Gasthaus »zum grünen Baum«, ¼ St., Fahrweg dahin; zwischen Gebirgs-Neudorf und Katharinaberg gelegen.
Ausflüge von grösserer Dauer.
1. Im herrlichen Flöhathale der sächsischen Grenze entlang nach *Brandau und *Grünthal; gute, zum Theil durch Hochwald führende Strasse, 1¼ Stunden. In dem hart an der sächsischen Grenze, am Zusammenflusse der drei Grenzgewässer Natschung, Schweinitz und Flöha gelegenen Orte Grünthal, das wegen seiner guten Küche und feiner Weine und Biere von Touristen vielfach besuchte Griessl'sche Gasthaus; in dem nur durch den Natschungbach getrennten sächsischen Grünthal sind Schwefelbäder und ein in seiner Art grossartig angelegtes »Kupfer-Hammerwerk«, welches die verschiedenartigsten Erzeugnisse aus Kupfer fast in alle Welttheile versendet. (Siehe [Seite 150].)
2. Ueber Brandau auf schöner Strasse nach *Gabrielahütten in dem prächtigen, 2 Stunden langen, den Thälern der Schweiz vergleichbaren Teltschthal, wo der Natschungbach zahlreiche Hammer- und Blechwalzwerke, Holzdrehereien, Brettmühlen und andere Industriewerke in Betrieb setzt. 2½ St. – (siehe von Görkau aus.) Das der Herrschaft Rothenhaus gehörige Gasthaus »zur böhmischen Schweiz« mit Garten bietet den Touristen willkommene Gelegenheit zur Erfrischung; unweit Gabrielahütten auf sächsischer Seite der an der Südseite steil abfallende Habichts- oder Stösserfelsen mit herrlicher Aussicht. – (Siehe oben [Seite 150].)