Den nächsten Tag wunderten sich die Echaluqdjuaq, daß ihr Kamerad nicht zurückgekommen und gingen zur Hütte nach Qerniqdjuaq. Sie guckten durch den Fensterspalt, sahen die Lampen brennen aber niemand darin. Schließlich fanden sie den Körper des jungen Mannes, fanden die Schlittenspuren, brachten schleunigst ihre Schlitten in Ordnung und verfolgten die Flüchtlinge.

Obwohl diese sehr rasch vorwärts kamen, folgten ihnen die Verfolger noch schneller und es schien, als würden sie sie in kurzer Zeit einholen. Da sie die Rache der Verfolger fürchteten, bekamen die Flüchtigen große Angst.

Als der Schlitten der Männer näher kam und die Frauen sahen, daß es unmöglich sei zu entkommen, fragte eine junge Frau die Zauberin: »Weißt du nicht, wie man das Eis zerschneiden kann?« Die Alte bejahte und zog langsam mit ihrem Zeigefinger einen Strich über das Eis, quer über den Weg der Verfolger. Das Eis gab einen lauten Krach. Noch einmal zog sie den Strich, ein Spalt öffnete sich und erweiterte sich so rasch als sie weiterzogen. Die Flut hob sich und als die Männer herankamen, konnten sie nicht über den breiten Spalt offenen Wassers. So war die eine Partei durch die Kunst ihrer Zauberin gerettet worden.

Viele Tage zogen sie noch hin und her und landeten endlich auf der Inseln Sagdlirn, wo sie blieben und die Stammütter der Sagdlirmiut wurden.

Die Rivalen

Zwischen zwei Männern bestand scharfe Rivalität. Jeder behauptete der Stärkere zu sein und bemühte sich, dem anderen das zu beweisen. Der eine behauptete, er könne eine Insel machen, etwas nie dagewesenes. Er hob einen ungeheuer großen Felsen auf und schleuderte ihn ins Meer, wo er als Insel liegen blieb. Da gab der andere dieser Insel einen solchen Fußtritt, daß sie auf der Spitze einer anderen landete, die sehr weit weg war. Die Folgen dieses Fußtrittes kann man bis zum heutigen Tage sehen: der Platz heißt Tu-kik-tok.

Die Geschichte von den drei Brüdern

Vor langer Zeit lebten drei Brüder. Zwei von ihnen waren erwachsen, der dritte war aber noch jung; er hieß Qaudjaqdjuq. Die älteren Brüder hatten ihre Heimat verlassen und zogen jahrelang herum, indes der Jüngste mit seiner Mutter in seinem Geburtsort lebte. Da er keinen Vater mehr hatte, wurde der arme Junge von allen Männern des Dorfes mißhandelt und niemand war da, ihn zu beschützen.

Schließlich hatten die älteren Brüder es satt herumzustreifen und kehrten heim; als sie hörten, daß der Knabe von allen Inuits schlecht behandelt worden sei, wurden sie ärgerlich und sannen auf Rache. Zuerst taten sie so als sähen sie nichts, bauten aber ein Boot, in welchem sie entfliehen wollten, sobald sie ihre Pläne ausgeführt hatten. Sie waren geschickte Bootsbauer und vollendeten ihr Werk sehr bald. Als sie das Boot ausprobten, glitt es so rasch wie eine Eiderente fliegt übers Wasser. Sie waren aber noch nicht zufrieden mit ihrem Werk, zerstörten es wieder und bauten ein neues Boot; das war bei der Probe so schnell, wie eine Eisente. Immer noch waren sie unzufrieden, zerstörten auch dieses Boot und bauten ein drittes und das war gut. Nachdem sie das Boot fertiggestellt hatten, lebten sie friedlich mit den anderen Männern. Im Dorf war ein großes Festhaus, das zu allen Festen benutzt wurde. Eines Tages gingen die drei Burschen hin, schlossen es auf, und fingen an drin zu tanzen und zu singen, bis sie erschöpft waren. Da keine Sitzbank in dem Haus war, baten sie ihre Mutter, eine zu bringen und als sie die Türe öffneten, um sie hereinzulassen, entschlüpfte ein Hermelin, der im Haus versteckt gewesen war.

In der Nähe des Festhauses spielten die anderen Inuit des Dorfes. Als sie den Hermelin sahen, der mitten durchs Gedränge lief, bemühten sie sich, ihn zu fangen. Im Eifer der Verfolgung stolperte ein Mann, der das kleine Tier schon fast gefangen hatte, so unglücklich über einen Kieselstein, daß er augenblicklich tot war. Der Hermelin war, besonders ums Maul herum, ganz mit Blut bespritzt; bei der Verwirrung, die nun ausbrach, entwischte er ins Festhaus, wo er sich in seiner früheren Ecke versteckte.