Oh, Sonne, Mond und alle Sterne, erlöst mich von meinen Qualen! Was, um aller Lebenden und Toten willen, ist Wahrheit? Dort, vor meinen Füßen funkelt und glitzert es so lustig im Sonnenlicht, so verheißungsvoll und so beruhigend: die Schmuckstücke des Indianers. Sie zerfielen nicht zu Asche, und wenn sie da sind – und sie sind wirklich und wahrhaftig da, denn ich fühle sie in meinen Händen –, dann ist auch der Indianer dagewesen, und ich bin durchaus gesund und weiß, was ich tue.

Ich eile zum Hause.

Mit der Freude im Herzen über das neugeschenkte Leben betrachtete und studierte ich die kleinen Kunstwerke. Dieses Studium erfüllte mich mit Andacht und mit Ehrfurcht gegenüber den Künstlern, die so Wundervolles schaffen konnten und die ihre Namen nicht zurückließen.

Endlich wickelte ich die Sachen in Papier, machte ein kleines Paketchen, das ich verschnürte, und legte es in eine leere Blechbüchse, die ich oben auf das Bücherbrett stellte.

Noch vor Sonnenuntergang ging ich abermals zur Höhle und füllte sie mit Erde und Steinen aus. Ich tat es, um zu verhindern, daß vorüberwandernde Indianer oder sich herumtreibende Pferde und Maultiere hineinstürzten, die Glieder brachen und hilflos darin liegenblieben.

Den ganzen Abend verbrachte ich damit, mir alle Geschehnisse der letzten Tage und besonders des heutigen ins Gedächtnis zurückzurufen und sie zu ordnen, damit es ihnen nicht gelänge, mich zu verwirren. Denn da ich niemand hatte, mit dem ich hätte sprechen, auf den ich einen Teil meiner Erregung hätte abladen können, war ich genötigt, alle Widersprüche, Einwendungen, Erklärungen und Vermutungen gegen mich allein zu führen, um eine Unterhaltung in Fluß zu bringen.

Mitternacht war längst vorüber, als ich zu Bett ging, erregt wie ein Kind am Weihnachtsabend. Erschöpft und übermüdet von der harten Tagesarbeit und den seelischen Aufregungen der letzten zwanzig Stunden, fiel ich sofort in Schlaf.

Träume

Mein Schlaf war alles andre, nur nicht sanft und ruhig. Aus einem schweren und wüsten Traum wurde ich in einen andern gejagt. Jeder hatte seinen Höhepunkt, und wenn dieser Punkt erreicht war, schoß ich auf, nur um sofort wieder in Schlaf zu fallen, mit keinem andern Sinn, als sogleich einen neuen Traum herunterzuhetzen. Es war ganz natürlich, daß jeder Traum mit den Dingen, die mich in den letzten Tagen so außerordentlich beschäftigt hatten, in naher Verbindung stand.

Ich fand mich über die lebhaften Märkte der alten indianischen Städte wandern, aber es war mir nicht möglich, das zu finden, was ich so bitter notwendig haben mußte. Und immer, wenn ich glaubte, es nun gefunden zu haben, machte ich die Entdeckung, daß ich vergessen hatte, was es war. Nun begann mein Geist angestrengt zu arbeiten, um das, was ich brauchte, in mein Gedächtnis zurückzurufen. Dann ging ich an einen Verkaufsstand und kaufte etwas. Wenn ich es aber in der Hand hatte, kam es mir zum Bewußtsein, daß ich ganz etwas andres hatte kaufen wollen. Ich steckte den Gegenstand, den ich plötzlich gar nicht kannte, in die Tasche, aber ich fand, daß ich keine Tasche an meinen Kleidern besaß. Nun sollte ich bezahlen, und so sehr ich auch suchte, ich konnte die Kakaobohnen nicht finden, die das Geld waren, mit dem ich zu zahlen hatte. Denn was immer ich in die Hand nahm, waren Pfefferkörner oder Ameisen oder Fingernägel. Und dann wurde ich von halbnackten Marktpolizisten gejagt und als Marktbetrüger verfolgt. Ich raste durch den Busch, wo mich die Schlingpflanzen und Kaktusstauden festzuhalten suchten, meine Haut mir in Fetzen vom Leibe gerissen wurde durch die Dornen und Stacheln, die sich mir überall in den Weg drängten. Und wohin ich trat, waren Schlangen, Riesenspinnen, gigantische Skorpione, große Eidechsen, deren Maul halb so weit offen war, wie ihr Körper lang war, während hinter mir die nackten Polizisten wie Wölfe heulten und brüllten und Polizeitiger auf meine Fährte setzten. Nun hatte ich einen hohen Felsen zu erklimmen, und als ich oben war und eine Meute von Berglöwen und Geiern mich gerade packen wollte, fiel ich in eine tiefe Schlucht hinunter. Der Fall dauerte viele Stunden, und während des Falles sah ich, wie die Polizisten, die in Papageienfedern gekleidet waren, die Possums, die ihnen als Polizeihunde gedient hatten, herbeipfiffen, dann mit Musik heimmarschierten, den Kaufmann, dem ich dreiundeinehalbe Kakaobohne schuldete, verhafteten und am Nebenstand als Sklaven verkauften. Inzwischen kam ich unten in der Schlucht an. Ich schlug so heftig auf, daß ich erwachte und die Schlucht hell erleuchtet fand. Es war aber der Mond, der in mein Zimmer schien. Und darüber beruhigt, schlief ich sofort wieder ein.