„Nacht ist kalt und lang,“ begann er zu reden. „Schweine stören mich. Entsetzlich ist es, o Herr, sich nicht verteidigen zu können. Gebaut mit heiliger Sorgfalt, sicher zu sein für die Ewigkeit. Doch es zerfällt und bricht. Lang ist die Nacht, dunkel und kalt. Denken Sie, o Herr, der Schweine. Schweine sind das Grauen.“ Er erhob seinen Arm und deutete nach einer bestimmten Richtung.
Nicht wissend, was für eine Antwort ich ihm geben sollte, da ich nicht verstand, wovon er überhaupt redete, beugte ich mich über mein Buch, um einen Augenblick Zeit zu gewinnen, meine Gedanken, die offenbar in Verwirrung geraten waren, zu ordnen. Es war in der Tat für mich nicht ganz klar, ob mein Geist sich in einem Zustand fieberischer Erregung befand als eine Folge des unaufhörlichen Lesens, oder ob ich ein wirkliches Geschehen erlebte. Die Gedanken fingen an, in meinem Hirn so durcheinanderzuwirbeln, daß ich nicht in der Lage war, zu entscheiden, wo die Wirklichkeit aufhörte und die Einbildung begann.
Nur um etwas zu reden, sagte ich: „Was meinen Sie eigentlich? Um die Wahrheit zu sagen, ich weiß überhaupt nicht, wovon Sie sprechen. Reden Sie im Zusammenhang, lieber Mann.“
Er aber war bereits gegangen, ebenso geräuschlos, wie er gekommen war.
Mit einem Satze war ich an der Tür. Ich wollte gewiß sein, ob meine Sinne bereits so weit herunter waren, daß sie mir Erscheinungen vorgaukeln konnten, oder ob ich wirklich soeben einen Menschen gesehen und gesprochen hatte.
Dank den Göttern, ich war gesund, mein Geist war klar: dort, im bleichen Licht des zunehmenden Mondes sah ich ihn dahinschreiten, schattengleich. Groß war er nicht, mehr von knabenhafter Gestalt, schlank gebaut, reines, unvermischtes Indianerblut.
Ich kehrte zurück zu meinem Tisch und versuchte, mich seiner Worte zu erinnern. Seltsam genug, ich konnte seine Worte nicht wiederfinden. Und es kam mir zu Sinn, daß er nicht Spanisch gesprochen hatte, daß er keine Sprache gebraucht hatte, die ich kannte: aber dennoch hatte ich ihn vollständig verstanden, der Inhalt seiner Sätze war mir deutlich, nur der Zusammenhang fehlte mir.
War sein Gruß nicht der gleiche gewesen, wie er bei den alten indianischen Völkern im Gebrauch war? Aber das war ja offenkundiger Unsinn. Meine Bücher hatten meine Gedanken verwirrt und mich Dinge sehen lassen, die gar nicht da waren.
Aber wenn ich nun seine Erscheinung in mein Gedächtnis zurückrief: er war in Lumpen gekleidet. Das wieder war nichts Auffallendes, denn die meisten Indianer laufen in zerfetzten Hosen und Hemden herum. Hosen? Hemden? Nein, er hatte weder eine richtige Hose noch ein richtiges Hemd angehabt. Die Lumpen, mit denen er behangen war, hatten ausgesehen wie die verrotteten Überreste eines sehr kostbaren, uralten Stoffes; ein merkwürdiges phantastisches Gewebe, wie ich mich kaum erinnerte, irgendwo gesehen zu haben, es wäre denn in einem Museum.
Jedoch kein Zweifel bestand darüber, daß seine Oberarme, die Enkel seiner Füße mit Goldreifen geschmückt gewesen waren, daß er eine Halskette trug, die ein Goldschmied verfertigt hatte, der ein großer Künstler war.