Ein Franzos, Namens Le Noble, der seiner Schandthaten wegen aus seinem Vaterlande verwiesen worden war, sich aber, von der Polizei geduldet, in Paris versteckt hielt und im Dienste eines Buchhändlers nothdürftig sein Leben fristete, veröffentlichte bei dieser Gelegenheit zwei jetzt sehr seltene Pasquille: „Le Couronnement de Guillemot et de Guillemette, avec le Sermon du grand Docteur Burnet“ und „Le Festin de Guillemot.“ An Witz, Geschmack und Verstand stehen Le Noble’s Schriften dem angeführten englischen Gedicht nicht nach. Er erzählt uns, daß der Erzbischof von York und der Bischof von London einen Boxerkampf in der Abtei aufführen, daß der Kämpe auf einem Esel durch die Halle ritt, welcher stätig wurde und die königliche Tafel mit dem ganzen Geschirr umstieß, und daß das Banket mit einer Schlägerei zwischen den mit Stühlen und Bänken bewaffneten Peers und den mit Bratspießen bewaffneten Köchen endete. Merkwürdigerweise fand diese Art Witz Leser, und das Portrait des Autors wurde splendid gestochen mit dem Motto: „Latrantes ride: te tua fama manet.“
Beförderungen. [Ehren] wurden, wie gewöhnlich, auch bei dieser festlichen Gelegenheit freigebig gespendet. Drei Hosenbandorden, über welche die Krone zur Zeit verfügen konnte, wurden Devonshire, Ormond und Schomberg verliehen. Der Prinz Georg wurde zum Herzog von Cumberland ernannt. Mehrere hochstehende Männer erhielten neue Titel, mit denen wir sie von jetzt an bezeichnen müssen. Danby wurde Earl von Caermarthen, Churchill Earl von Marlborough und Bentinck Earl von Portland. Mordaunt ward zum Earl von Monmouth ernannt, nicht ohne einiges Murren von Seiten alter Exclusionisten, die sich noch immer mit Liebe ihres protestantischen Herzogs erinnerten und welche hofften, sein Urtel werde umgestoßen und seinen Nachkommen die Führung seines Titels gestattet werden. Man wunderte sich, daß der Name Halifax nicht auch auf der Liste der Beförderungen stand. Niemand konnte zweifeln, daß er sehr leicht ein blaues Band oder eine Herzogskrone hätte erlangen können, und obgleich er sich von den meisten seiner Zeitgenossen durch seine Verschmähung unrechtmäßigen Gewinns vortheilhaft auszeichnete, wußte man doch sehr wohl, daß er auf Ehrentitel mit einer Begierde brannte, der er sich selbst schämte und die seines glänzenden Geistes unwürdig war. Allerdings wurde sein Ehrgeiz damals durch Besorgnisse niedergeschlagen. Leuten, die sein Vertrauen besaßen, theilte er seine Befürchtung mit, daß schlimme Zeiten bevorständen. Für des Königs Leben könne man kein Jahr mehr stehen, die Regierung sei unter sich uneinig, die Geistlichkeit und das Heer unzufrieden, das Parlament von Factionen zerrissen; der Bürgerkrieg wüthe bereits in einem Theile des Landes und auswärtiger Krieg sei vor der Thür. In einem solchen Augenblick habe wohl jeder Minister, ob Whig oder Tory, Grund sich zu beunruhigen, aber weder ein Whig noch ein Tory habe so viel zu fürchten als der Trimmer, der nicht unwahrscheinlich die gemeinschaftliche Zielscheibe des Hasses beider Parteien werden würde. Aus diesen Gründen beschloß Halifax, sich jeder Ostentation von Macht und Einfluß zu enthalten, durch ein geflissentliches Zurschautragen von Mäßigung den Neid zu entwaffnen und durch Artigkeiten und Wohlthaten Personen an sich zu ziehen, deren Dankbarkeit ihm im Fall einer Contrerevolution von Nutzen sein konnten. Die nächsten drei Monate, sagte er, würden die Probezeit sein. Halte sich die Regierung den Sommer über, so werde sie wahrscheinlich fest stehen.[107]
[107.] Reresby’s Memoirs.
Die Coalition gegen Frankreich. [Inzwischen] gewannen Fragen der auswärtigen Politik eine immer größere Bedeutung. Das Werk, an welchem Wilhelm viele trübe und angstvolle Jahre hindurch unermüdlich gearbeitet hatte, war endlich vollbracht. Die große Coalition war zu Stande. Es war klar, daß ein verzweifelter Kampf bevorstand. Der Bedrücker Europa’s sollte sich gegen das mit Karl II. von Spanien, mit dem Kaiser Leopold und mit dem deutschen und dem batavischen Bunde alliirten England vertheidigen, ohne wahrscheinlich einen andren Bundesgenossen zu haben als den Sultan, der an der Donau gegen das Haus Österreich Krieg führte.
Die Verwüstung der Pfalz. [Ludwig] hatte gegen das Ende des vergangenen Jahres die ungünstige Lage seiner Feinde zu seinem Vortheile benutzt und den ersten Schlag geführt, ehe sie darauf vorbereitet waren, ihn zu pariren. Doch dieser wenn auch schwere Schlag hatte nicht da getroffen, wo er hätte tödtlich werden können. Wären an der batavischen Grenze Feindseligkeiten ausgebrochen, so würde Wilhelm mit seiner Armee wahrscheinlich auf dem Continent zurückgehalten worden sein, und Jakob hätte ungestört in England fortregieren können. Glücklicherweise hatte Ludwig in einer Verblendung, welche viele fromme Protestanten aus voller Überzeugung dem gerechten Urtheile Gottes zuschrieben, den Punkt aus den Augen gelassen, von dem das Geschick der ganzen civilisirten Welt abhing, und hatte auf einer Seite, wo die glänzendsten Erfolge ihm nichts als eine Illumination und ein Tedeum eintragen konnten, einen großen Aufwand von Streitkräften, Schnelligkeit und Energie entfaltet. Eine französische Armee unter den Befehlen des Marschalls Duras war in die Pfalz und einige benachbarte Fürstenthümer eingefallen. Dieser Feldzug aber, konnte, obwohl er vollkommen glücklich ausgefallen war und obwohl die Geschicklichkeit und Energie, mit der er geleitet worden, allgemeine Bewunderung erregt hatten, keinen erheblichen Einfluß auf den Ausgang des herannahenden furchtbaren Kampfes ausüben. Frankreich sollte bald von allen Seiten angegriffen werden, und dann konnte Duras die Provinzen, welche er überfallen und überwältigt, unmöglich lange behaupten. Ein entsetzlicher Gedanke erwachte im Geiste Louvois’, der in militärischen Angelegenheiten zu Versailles die erste Stimme hatte. Er war ein Mann, der sich durch Eifer für das was ihm im öffentlichen Interesse nöthig erschien, sowie durch Talent und durch Kenntniß alles dessen was sich auf die militärische Verwaltung bezog, auszeichnete, aber er besaß einen harten und grausamen Character. Wenn die Städte der Pfalz nicht zu behaupten waren, so konnten sie zerstört werden. Wenn der Boden der Pfalz den Franzosen keine Hülfsmittel lieferte, so konnte er so verwüstet werden, daß er wenigstens auch den Deutschen keine Hülfsmittel lieferte. Der hartherzige Staatsmann unterbreitete Ludwig seinen Plan, wahrscheinlich mit großer Behutsamkeit und einigen Auslassungen, und Ludwig genehmigte denselben in einer für seinen Ruhm verderblichen Stunde. Duras erhielt Befehl, eine der schönsten Gegenden Deutschland’s in eine Wüste zu verwandeln. Funfzehn Jahre früher hatte Turenne einen Theil dieses herrlichen Landes verwüstet. Aber Turenne’s Verheerungen waren, obgleich sie einen tiefen Schatten auf seinen Ruhm geworfen hatten, ein bloßes Kinderspiel im Vergleich mit den Greueln dieser zweiten Verwüstung. Der französische Oberbefehlshaber kündigte einer halben Million Menschen an, daß er ihnen eine dreitägige Gnadenfrist bewillige und daß sie bis dahin auf ihre Sicherheit bedacht sein müßten. Bald bedeckten sich die Landstraßen und Felder, welche damals tief in Schnee vergraben lagen, mit zahllosen Massen von Männern, Frauen und Kindern, die von ihrem heimathlichen Herde flohen. Viele kamen vor Hunger und Kälte um; aber es blieben genug am Leben, um alle Städte Europa’s mit abgezehrten, schmutzigen Bettlern zu füllen, die einst wohlhabende Pächter und Handelsleute gewesen waren. Inzwischen begann das Zerstörungswerk. Von jedem Marktplatze, jedem Weiler, jeder Pfarrkirche und jedem Landsitze in den dem Untergange geweihten Provinzen loderten die Flammen empor. Die Felder, auf denen Getreide gesäet war, wurden umgepflügt. Die Obstbäume wurden umgehauen. Jede Hoffnung auf eine Ernte wurde auf der fruchtbaren Ebene in der Nähe der Stelle wo einst Frankenthal gestanden, von Grund aus zerstört. Kein Weinstock, kein Mandelbaum war an den Abhängen der sonnigen Hügel mehr zu sehen, welche das nicht mehr vorhandene Heidelberg umgaben. Kein Palast, kein Tempel, kein Kloster, kein Krankenhaus, kein Kunstwerk, kein Grabmal berühmter Verstorbener ward geschont. Das weit und breit berühmte Schloß des Kurfürsten von der Pfalz wurde in einen Schutthaufen verwandelt. Das anstoßende Hospital wurde geplündert. Die Vorräthe, die Medicamente und die Betten, auf denen die Kranken lagen, wurden vernichtet. In Mannheim wurden, selbst die Steine, aus denen die Stadt erbaut war, in den Rhein geworfen. Der prächtige Dom von Speier ging zu Grunde, mit ihm die marmornen Grabmäler von acht Cäsaren. Die Särge wurden aufgebrochen und die Asche in alle Winde verstreut.[108] Trier mit seiner herrlichen Brücke, seinem Amphitheater, seinen ehrwürdigen Kirchen, Klöstern und Collegien war zu demselben Schicksale ausersehen. Bevor aber dieses letzte Verbrechen verübt werden konnte, wurde Ludwig durch die Verwünschungen alter Nachbarvölker, durch das Stillschweigen und die Bestürzung seiner Schmeichler und durch die Vorstellungen seine Gemahlin auf bessere Gedanken gebracht. Er war seit mehr als zwei Jahren mit Franziska von Maintenon, der Gouvernante seiner natürlichen Kinder, heimlich vermählt. Es wird schwerlich eine zweite Frau gegeben haben, die bei einem so wenig romanhaften Character eine so romanhafte Laufbahn aufzuweisen hatte. Sie hatte ihre Jugendjahre in Armuth; und Dunkel hingebracht. Ihr erster Gatte hatte sich durch Verfassung burlesker Possen und Gedichte ernährt. Als sie die Aufmerksamkeit ihres Souverains auf sich zog, konnte sie sich nicht mehr der Jugend oder Schönheit rühmen, aber sie besaß in ungewöhnlichem Grade jene dauernderen Reize, welche gesetzte Männer, deren Leidenschaften das Alter gezähmt hat und deren Leben ein Leben voll Mühen und Sorgen ist, an einer Lebensgefährtin am höchsten schätzen. Ihr Character war einer von denen, die man sehr richtig mit dem sanften Grün verglichen hat, auf welchem das durch grelle, Farben und blendende Lichter ermüdete Auge mit Wohlgefallen ruht. Ein treffendes Urtheil, ein unerschöpflicher, doch nie überfluthender Strom verständiger, liebenswürdiger und geistvoller Rede, ein Temperament, dessen heitere Ruhe nicht einen Augenblick getrübt wurde, ein Takt, der den Takt ihres Geschlechts in eben dem Maße übertraf, wie der Takt ihres Geschlechts den des unsrigen übertrifft: dies waren die Eigenschaften, welche die Wittwe eines Possenreißers zuerst zur vertrauten Freundin, dann zur Gattin des mächtigsten aller Könige Europa’s machten. Man sagte damals Ludwig sei nur mit Mühe durch Louvois’ dringende Vorstellungen und Bitten abgehalten worden, sie zur Königin von Frankreich zu erklären. Es ist ausgemacht, daß sie Louvois als ihren Feind betrachtete, und ihr Haß gegen ihn, mit dem sich vielleicht auch bessere Gefühle verbanden, bestimmte sie, sich der unglücklichen Rheinbewohner anzunehmen. Sie appellirte an das Mitgefühl, das, obwohl durch manche verderbliche Einflüsse geschwächt, im Herzen ihres Gemahls noch nicht völlig erloschen war, und an die religiösen Gefühle, welche ihn nur zu oft zur Grausamkeit getrieben hatten, die aber im gegenwärtigen Falle auf Seiten der Humanität waren. Er ließ sich erweichen und Trier ward verschont.[109] Er mußte in der That wohl einsehen, daß er einen Fehler begangen hatte. Die Verwüstung der Pfalz hatte, während sie die Macht seiner Feinde nicht erheblich vermindert, ihre Erbitterung noch mehr angefacht und ihnen unerschöpflichen Stoff zu Schmähungen geliefert. Von allen Seiten erscholl das Geschrei nach Rache. Jedes Bedenken, das die eine oder die andre Linie des Hauses Österreich gehegt haben mochte, sich mit Protestanten zu verbünden, war völlig beseitigt. Ludwig beschuldigte den Kaiser und den katholischen König, die Sache der Kirche verrathen, sich mit einem Usurpator, der der erklärte Vorkämpfer des großen Schisma’s war, verbündet und an dem abscheulichen Unrecht Theil genommen zu haben, das einem legitimen Souverain zugefügt worden, der sich keines andren Verbrechens als des Eifers für den wahren Glauben schuldig gemacht habe. Jakob schrieb herzbrechende Briefe nach Wien und Madrid, in denen er sein Unglück schilderte und den Beistand seiner königlichen Brüder, die auch im Glauben seine Brüder seien, gegen die unnatürlichen Kinder und die rebellischen Unterthanen erflehte, die ihn in’s Exil getrieben hätten. Es war jedoch nicht schwer, auf Ludwig’s Vorwürfe wie auf Jakob’s Bitten eine plausible Antwort zu geben. Leopold und Karl erklärten, daß sie sich, selbst zum Zwecke der gerechten Selbstvertheidigung, nicht eher mit Ketzern verbündet hätten, als bis ihr Feind sich zum Zwecke eines ungerechten Angriffs mit Mohamedanern verbündet habe. Und dies sei noch nicht das Schlimmste. Nicht genug, daß der französische König den Moslems gegen die Christen beistehe, behandle er selbst die Christen mit einer Grausamkeit, welche sogar die Moslems empört haben würde. Man müsse seinen ungläubigen Verbündeten die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie an der Donau keine solchen Gewaltthätigkeiten gegen die Gebäude und die Mitglieder der heiligen katholischen Kirche verübt hätten, wie er, der sich den ältesten Sohn dieser Kirche nenne, sie am Rhein verübe. Aus diesen Gründen antworteten die Fürsten, an welche Jakob appellirt hatte, ihm damit, daß sie unter vielen Versicherungen der Bereitwilligkeit und des Mitleids an ihn selbst appellirten. Er sei gewiß zu gerecht, als daß er sie tadeln könnte, daß sie es für ihre erste Pflicht hielten, ihr eignes Volk gegen solche Gewaltthätigkeiten zu schützen, wie sie die Pfalz in eine Wüste verwandelt hätten, oder daß sie den Beistand der Protestanten gegen einen Feind anriefen, der kein Bedenken getragen habe, die Hülfe von Türken anzurufen.[110]
[108.] Über die Geschichte der Verwüstung der Pfalz sehe man die Memoiren von La Fare, Dangeau, Frau von Lafayette, Villars und Saint-Simon, sowie den Monthly Mercury vom März und April 1689. Der Pamphlet und Flugblätter sind zu viele, als daß ich sie hier aufzählen könnte. Ein Blatt, betitelt: „A true Account of the barbarous Cruelties committed by the French in the Palatinate in January and February last,“ ist vielleicht das interessanteste.
[109.] Memoiren Saint-Simon’s.
[110.] Ich will einige Zeilen aus Leopold’s Brief an Jakob anführen: „Nunc autem quo loco res nostrae sint, ut Serenitati vestrae auxilium praestari possit a nobis, qui non Turcico tantum bello impliciti, sed insuper etiam crudelissimo et iniquissimo a Gallis, rerum suarum, ut putabant, in Anglia securis, contra datam fidem impediti sumus, ipsimet Serenitati vestrae judicandum relinquimus... Galli non tantum in nostrum et totius Christianae orbis perniciem foedifraga arma cum juratis Sanctae Crucis hostibus sociare fas sibi ducunt; sed etiam in imperio, perfidiam perfidia cumulando, urbes deditione occupatas contra datam fidem immensis tributis exhaurire, exhaustas diripere, direptas funditus exscindere aut flammis delere, Palatia Principum ab omni antiquitate inter saevissima bellorum incendia intacta servata exurere, templa spoliare, dedititios in servitutem more apud barbaros usitato abducere, denique passim, imprimis vero etiam in Catholicorum dictionibus, alia horrenda, et ipsam Turcorum tyrannidem superantia immanitatis et saevitiae exempla edere pro ludo habent.“
Kriegserklärung gegen Frankreich. [Während] des Winters und der ersten Hälfte des Frühjahrs zogen die Frankreich feindlich gesinnten Mächte ihre Streitkräfte zu einer energischen Anstrengung zusammen und standen in fortdauernder Communication mit einander. Als die zu militärischen Operationen geeignete Zeit heranrückte, erschienen in rascher Aufeinanderfolge die feierlichen Berufungen beleidigter Nationen an den Gott der Schlachten. Das Manifest der Deutschen erschien im Februar, das der Generalstaaten im März, das des Hauses Brandenburg im April und das Spanien’s im Mai.[111]
Bei uns beschloß, sobald die Krönungsfeier vorüber war, das Haus der Gemeinen die Inbetrachtnahme der neuesten Schritte des Königs von Frankreich.[112] In der Debatte brach der Haß gegen den mächtigen, rücksichtslosen und herrschsüchtigen Ludwig, der seit zwanzig Jahren der Vasallenschaft in den Herzen der Engländer gohr, mit Heftigkeit hervor. Er wurde der allerchristlichste Türke, der allerchristlichste Verwüster der Christenheit, der allerchristlichste Barbar genannt, der gegen Christen Gewaltthätigkeiten verübt habe, deren seine ungläubigen Verbündeten sich geschämt haben würden.[113] Ein vornehmlich aus heftigen Whigs bestehender Ausschuß wurde mit der Abfassung eines Adreßentwurfs beauftragt. Johann Hampden, der glühendste Whig unter ihnen, erhielt den Vorsitz und arbeitete einen Entwurf aus, der zu lang, zu rhetorisch und zu vorwurfsvoll war, als daß er sich für den Mund des Sprechers wie für das Ohr des Königs hätte eignen können. Schmähungen gegen Ludwig würden bei der damaligen Stimmung des Hauses ungerügt hingegangen sein, wären sie nicht von harten Äußerungen über den Character und der Verwaltung Karl’s II. begleitet gewesen, dessen die Tories, trotz aller seiner Fehler, mit liebevoller Zuneigung gedachten. Es fanden sich darin einige sehr deutliche Anspielungen auf Karl’s Verkehr mit dem Hofe von Versailles und auf das fremde Weib, das dieser Hof ihm gesendet habe, um wie eine Schlange an seinem Busen zu liegen. Das Haus war mit gutem Grunde unzufrieden damit. Die Adresse wurde dem Ausschusse zurückgegeben, und nachdem sie kürzer und weniger wortreich und hämisch gefaßt worden, angenommen und überreicht.[114] Wilhelm’s Aufmerksamkeit war auf die Nachtheile gelenkt, welche Frankreich ihm und seinem Königreiche zugefügt, und ihm die Versicherung gegeben, daß, sobald er zur Abstellung dieser Nachtheile die Waffen ergriffe, er von seinem Volke kräftig unterstützt werden würde. Er dankte den Gemeinen herzlich. Ehrgeiz, sagte er, werde ihn nie bestimmen, das Schwert zu ziehen; allein er habe keine Wahl, denn Frankreich habe bereits England angegriffen, und es sei nothwendig, das Recht der Selbstvertheidigung auszuüben. Wenige Tage darauf wurde der Krieg erklärt.[115]