Presto con fuoco.
Der junge Forstmann trat eben aus dem Dickicht in die Schneuse hinaus, als er stutzte. Horch, der dumpfe Schall von stampfenden Pferdehufen in dem weichen Waldboden, dazu geheimnisvoll flüsternde Stimmen; so verloren waren die beiden dort auf den Pferden in ihr Gespräch, daß sie nicht einmal das Rascheln des Herbstlaubes vernahmen, als der Forstmann sich Platz durch das Buschwerk bahnte.
Ein wunderschönes Paar! Beide groß, schlank, vornehm; das knappe dunkle Reitkostüm umzwängt ihren herrlichen Wuchs, und um ihr von der Abendsonne angeglühtes Antlitz flattert in der leisen Brise der silbergraue Hutschleier. Sie lassen die Pferde läßig schreiten, sie achten nicht des Weges, sie haben sich so Wichtiges zu sagen; dicht, ganz dicht aneinander schreiten die Tiere, und ein leichter dampfender Hauch geht von deren naßglänzenden Gliedern aus.
Die beiden halten sich sogar bei der Hand, und wie sie sich zuflüstern, tauchen ihre Blicke sehnsuchtsglänzend in einander. Der Zuschauer glaubt das Wort »Liebe« zu vernehmen; ja, ihr ganzes Wesen atmet glühende Liebe.
Plötzlich schlingt der Reiter seine Rechte um die Taille der Reiterin, hingebend, in bebendem Verlangen ruht sie in seinem Arm, sein vom eleganten Stutzbart umrahmtes Antlitz beugt sich über das ihre, und ein langer, langer, seliger Kuß vereinigt ihre Lippen, während die Pferde läßig ihren Weg fortsetzen.
Da gellt ein hoher mißlautender Vogelruf durch die Waldstille. Wie erschreckt fahren sie auseinander, — nun läßt die Dame ihren Rappen ansprengen, der andere ihr nach, eine tolle, immer wildere Jagd die Schneuse entlang, bis das rotgoldene Waldlaub die Erscheinung verschlingt.
»Donnerwetter!« rief der Forstmann ganz verblüfft. »Mann und Frau? I, da hätten sie doch nicht nötig, hier mitten im Walde und gar zu Pferde« ....
Einige Tage darauf, als er abermals diese Waldgegend durchstreifte, bemerkte er auf einer Blöße Menschen versammelt. Der Sturm hatte das Goldlaub von den Bäumen gefegt, man hörte deutlich das Rascheln unter den geschäftig hastigen Tritten der Menschen dort. Was wollen die? Jetzt vernimmt er laute befehlende Stimmen, jetzt stehen sich zwei mit nicht vielen Schritten Abstand einander gegenüber. Ist der eine von den beiden, der große, schlanke, schöne Herr nicht der Reiter, der so inbrünstig seine Reiterin küßte? Die beiden haben Pistolen gegeneinander erhoben, ein Kommando schallt, zwei Schüsse puffen — in dem verwehenden Pulverdampf sinkt der Große in die Kniee und stürzt dann lang hin.
»Donnerwetter!« entfuhr es dem bestürzten Zuschauer. »Schließlich waren es doch nicht Mann und Frau, und der kleine Dicke hatte recht, daß er seine Ehre rächte und den Großen, Schönen niederschoß ....«
Später, im Winter, als die Blutlache dort auf der Blöße, wie die Spuren der Pferdehufe auf dem Schneusenweg längst vom schweigenden Schnee bedeckt waren, durchkreuzte der Forstmann mit seinem jungen Weibe zufällig die Waldstelle. »Sieh’ mal, also dort küßten sie sich, von der einen Buche bis zur anderen — und dahinten schossen sie sich.«