Es war ihm an jedem Mittag peinlich, sie an seinem Tische servieren zu sehen. Sie that das mit einer Miene, als wollte sie ihm bedeuten: »Was hindert mich denn, mich dort auf der anderen Seite des Tisches als Baronin dem Herrn Baron gegenüber niederzulassen?«
Er fühlte, er ahnte, daß die Macht, die sie über ihn ausübte, sich eines Tages bis zu einem Überfall auf sein Junggesellentum erstrecken könnte. Und dagegen galt es sich bei Zeiten zu wehren!
Schon umschwirrten ihn allerlei Anspielungen in der Kneipe, so oft Frau Glaß ihm noch eine solche Kneipstunde gestattete: ironische Erkundigungen nach seiner hübschen Hausmarschallin, kecke Neckereien, scherzhafte Warnungen vor dem nicht zu ausnahmsweisen Schicksal eingefleischter Junggesellen, die von ihren Haushälterinnen bis zum Traualtar gedrängt worden waren.
»Lieber schöß’ ich mich tot ....«
Ja, wenn Frau Glaß nicht den geladenen und daher gefährlichen Revolver, der unter der Waffendekoration seiner Wohnstube gehangen, in übertriebener Vorsicht, daß das Ding eines Tages von selbst losginge, weggenommen und versteckt hätte!
Sprach diese Wegnahme nicht deutlicher als Worte? Sagte sie ihm nicht symbolisch: mit dem Totschießen wird es doch nichts! Du bist mir ja doch verfallen!
Na, es wäre nicht das äußerste Unglück! Na, er würde Ruhe und Frieden für den Rest seines Lebens genießen! Und verschiedene Beispiele standen mit gaukelhafter Beharrlichkeit vor ihm. Ein alter Onkel von ihm, der seine Wirtschafterin geheiratet und dabei »lächerlich glücklich« geworden. Se. Excellenz, der General v. H., der da draußen in seiner Villa am Walde von Pensionopolis trotz schreiender Messalliance und ewig wacher Medisance ein idllysches und musterhaftes Familiendasein führte. Na, was für Ansprüche erhebt er denn noch an das Leben? Ein a. D.!
»Teufel, aber ich will nicht! Ich habe mich fünfzig Jahre gegen die Ehe gesträubt, (er rechnete die Kinderjahre in dies Sträuben ein) man soll mich nicht unterkriegen!«
Und laut, mit der äußersten Anstrengung seiner Autorität: »Frau Glaß, ich sehe, Sie haben Schnurz den Schlafkorb abermals auf den Flur geschoben —«
Sie zuckte mitleidig ironisch die rundlichen Schultern: »Wie der Herr Baron befehlen —«