(Burgess laut protestierend:) Was? Candy auch verrückt? Das ist zuviel! (Er durchschreitet das Zimmer bis zum Kamin, protestiert während des Gehens und klopft dort seine Pfeifenasche aus. Morell setzt sich verzweifelt nieder, lehnt sich nach vorne, um sein Gesicht zu verbergen, und verschlingt seine Finger krampfhaft, damit sie ruhig bleiben.)
(Candida zu Morell, erleichtert und lachend:) Oh, du bist nur verletzt—ist das alles? Wie konventionell ihr unkonventionellen Leute doch alle seid!
(Burgess.) Benimm dich anständig, Candy. Was wird Herr Marchbanks von dir denken?
(Candida.) Das kommt davon, weil Jakob mir immer predigt, nur mir selbst Rechenschaft abzulegen und nie darauf zu achten, was andere Leute über mich denken könnten. Das ist außerordentlich schön und gut, solange ich derselben Meinung bin wie er. Aber jetzt—weil ich gerade etwas anderer Meinung war jetzt schau ihn dir an, schau nur! (Sie weist auf Morell, höchst belustigt. Eugen beobachtet ihn und preßt seine Hand heftig ans Herz, als wenn ihn irgendein Schmerz getroffen hätte; er setzt sich auf das Sofa wie ein Mensch, der einer Tragödie beiwohnt. Burgess auf dem Kaminteppich:) Sie hat recht, Jakob, Sie sehen wirklich nicht so würdig aus wie gewöhnlich.
(Morell mit einem Lachen, das ein halbes Schluchzen ist:) Das kann schon sein, verzeiht mir alle,—ich wußte nicht, daß ich eine Störung verursache. (Sich zusammenraffend:) Es ist schon gut, schon gut, schon gut. (Er geht zurück nach seinem Platz am Tisch und setzt sich, um an seinen Papieren wieder mit entschlossener Heiterkeit weiterzuarbeiten.)
(Candida geht nach dem Sofa und setzt sich neben Marchbanks, noch in heiterster Stimmung:) Nun, Eugen, warum sind Sie traurig? Haben Sie vom Zwiebelschälen geweint? (Morell kann sich nicht enthalten, sie zu beobachten.)
(Marchbanks beiseite zu ihr:) Ihre Grausamkeit ist es, die mich traurig macht.—Ich hasse Grausamkeit. Es ist entsetzlich, mitanzusehen, wie ein Mensch einem andern weh tut.
(Candida ihn streichelnd, ironisch:) Armer Junge, war ich grausam?
Habe ich ihn kleine, rote, häßliche Zwiebel schälen lassen?
(Marchbanks ernst:) Oh, halten Sie ein, halten Sie ein: ich meine nicht mich! Er hat Ihretwegen furchtbar gelitten. Ich fühle seinen Schmerz in meinem eigenen Herzen. Ich weiß, daß Sie nicht schuld daran sind,—es ist etwas geschehen, was geschehen mußte; aber nehmen Sie es nicht so leicht. Mich schaudert, wenn Sie ihn quälen und dabei lachen.
(Candida ungläubig:) Ich Jakob quälen?! Unsinn, Eugen; wie Sie übertreiben! Torheit! (Sie blickt hinüber zu Jakob, der seine Schreiberei hastig fortsetzt; sie gebt zu ihm und steht hinter seinem Stuhl, sich über ihn beugend.) Arbeite nicht länger, mein Lieber, komm und plaudere mit uns.