(Candida strenge:) Dann hat mich also Jakob eben angelogen. Wollen
Sie das behaupten?

(Marchbanks.) Nein, nein: ich—ich… (herausplatzend mit der verzweifelten Erklärung:)—es war die Rede von Davids Frau, nicht bei ihm zu Hause, sondern als sie ihn tanzen sah vor allen Leuten.

(Morell nimmt diesen Fingerzeig mit der Geschicklichkeit eines Wortkämpfers auf:) Ja, als er vor dem ganzen Volke tanzte, Candida, in der Meinung, daß er ihre Herzen dadurch rührte, während sie nur an Prossis Leiden litten. (Sie ist im Begriff zu protestieren, er winkt ihr mit der Hand, um sie zum Schweigen zu bringen, und fährt fort:) Tue nicht als ob du entrüstet wärest, Candida.

(Candida.) Tun als ob?!

(Morell fortfahrend:) Eugen hatte recht! Wie du mir einige Stunden später klarmachtest, hat er immer recht. Er sagte nichts, was du nicht viel besser selbst gesagt hättest. Er ist der Dichter, der alles sieht; und ich bin der arme Pastor, der nichts versteht.

(Candida reuevoll:) Ärgert dich, was ein närrischer junge gesagt hat, weil ich im Scherz etwas Ähnliches sagte?

(Morell.) Der närrische Junge kann mit der Begeisterung eines Kindes und mit der Verschlagenheit einer Schlange sprechen. Er hat behauptet, daß du ihm gehörst und nicht mir, und, ob mit Recht oder Unrecht, ich beginne zu fürchten, daß es wahr sein könnte. Ich will nicht umhergehen von Zweifeln und Verdächtigungen gequält. Ich will nicht mit dir leben und ein Geheimnis vor dir haben. Ich will nicht die entwürdigende Qual der Eifersucht erdulden. Deshalb haben wir beschlossen—er und ich—daß du jetzt zwischen uns wählen sollst! Ich erwarte deine Entscheidung.

(Candida weicht langsam einen Schritt zurück, verletzt über sein Pathos, trotz des aufrichtigen Gefühls, das sie heraushört:) Oh, ich muß also wählen? Ich nehme an, daß eines vollkommen feststeht: daß ich einem o d e r dem andern gehören muß.

(Morell entschlossen:) Vollkommen; du mußt endgültig wählen.

(Marchbanks ängstlich:) Herr Pastor,—Sie verstehen nicht: sie meint, daß sie sich selbst gehört.