„Ich kann nicht dafür, Miß,“ entgegnete er unterwürfig. „Ich bin ein natürlicher, geborener Lügner — ich war es immer. Ich weiß, das muß Ihnen schrecklich erscheinen, da Sie nie in Ihrem Leben gelogen haben und kaum wissen, was eine Lüge ist, denn Sie gehören zu einer Gesellschaftsklasse, in der man nie lügt. Aber die gewöhnlichen Leute lügen so leicht, wie eine Ente schwimmt. Ich bitte Sie ganz demütig um Verzeihung, Miß, und ich hoffe, die jungen Ladys können ein Paar Schlittschuhe von dem andern unterscheiden, denn ich kann es verdammt nicht.“
„Legen Sie sie hin. Miß Wilson wünscht Sie zu sprechen, bevor Sie gehen. Susanna, zeigen Sie ihm den Weg.“
„Hoffentlich haben Sie mich armen Kerl nicht in Verlegenheit gesetzt, Miß?“
„Miß Wilson weiß, wie Sie sich betragen haben.“
Er lächelte sie wohlwollend an und folgte Susanna zur Treppe hinauf. Unterwegs trafen sie Jane, die ihn verstohlen anblickte und grade vorbeieilen wollte, als er sagte:
„Wollen Sie nicht ein paar Worte bei Miß Wilson für einen armen, gewöhnlichen Burschen einlegen, geehrte junge Lady? Ich bin in schreckliche Verlegenheit gekommen, weil ich so frei war, Ihnen heute morgen zu helfen.“
„Geben Sie sich keine Mühe, so zu sprechen,“ erwiderte Jane scharf. „Wir wissen alle, daß Sie sich nur verstellen.“
„Nun, Sie können ja meine Gründe erraten,“ flüsterte er und sah sie zärtlich an.
„Solch ein Quatsch und Unsinn! So was hab ich in meinem Leben noch nicht gehört,“ sagte Jane und rannte davon. Sie war jetzt fest davon überzeugt, daß er diese niedrige Stellung angenommen hatte, um Einlaß in die Anstalt zu finden und das Glück zu genießen, sie zu sehen.
„Ich bin ein verdammter Narr!“ sagte er zu sich selbst. „Ich kann doch keine fünf aufeinanderfolgende Minuten wie ein vernünftiger Mensch handeln.“