(Napoleon mit ärgerlichem Hohn:) Wenn Sie nur wüßten—? Ich bitte Sie, haben (Sie) vielleicht Erfahrung darin?
(Dame läßt die Arme fallen und faltet die Hände über den Knien, gerade vor sich hinblickend:) Ja, ich hatte das Unglück, gut auf die Welt zu kommen. (Einen Augenblick zu ihm aufschauend:) Und ich kann Ihnen versichern, es (ist) ein Unglück, Herr General. Ich bin wirklich wahrheitsliebend und selbstlos und alles, was dazu gehört, aber das ist nichts als Feigheit, Mangel an Charakter, Mangel an dem Mut, wirklich mit aller Kraft und unbedingt sich selbst treu zu sein.
(Napoleon.) Ha! (Wendet sich rasch zu ihr um, mit einem Aufleuchten starken Interesses:)
(Dame ernst, mit wachsendem Enthusiasmus:) Was ist das Geheimnis Ihrer Macht? Nur, daß Sie an sich selbst glauben. Sie können nur für sich kämpfen und siegen—für niemand sonst. Sie haben keine Angst vor Ihrem eigenen Schicksal, Sie zeigen uns, was wir (alle) erreichen könnten, wenn wir den Willen und den Mut dazu hätten, und das (plötzlich vor ihm auf die Knie fallend:) ist der Grund, warum wir Sie alle anzubeten beginnen. (Sie küßt seine Hände.)
(Napoleon in Verlegenheit:) Aber—aber—bitte, erheben Sie sich,
Madame!
(Dame.) Weisen Sie meine Huldigung nicht zurück. Sie haben ein Recht darauf—Sie werden einst als Kaiser über Frankreich herrschen——
(Napoleon rasch:) Nehmen Sie sich in acht, das ist Hochverrat!
(Dame darauf bestehend:) Jawohl—als Kaiser über Frankreich—dann über
Europa—vielleicht über die ganze Welt… Ich bin nur der erste
Untertan, der Ihnen Treue schwört. (Küßt wieder seine Hand.) Mein
Kaiser!
(Napoleon hebt sie überwältigt auf:) Ich bitte Sie—nein, nein, Kind, das ist Wahnsinn! Gehen Sie, beruhigen Sie sich! (Sie streichelnd:) So, so, liebes Kind!
(Dame mit Glückstränen kämpfend:) Ja, ich weiß, daß es unverschämt ist,
Ihnen Dinge zu sagen, die Sie viel besser als ich wissen müssen.
Aber Sie sind mir nicht böse—nicht wahr, nein?