(Napoleon wendet sich zu ihr:) Wer von uns beiden hat diesen Burschen zugrunde gerichtet—ich oder Sie? Wer hat ihm die Depeschen abgelockt? Haben Sie dabei an seine Karriere gedacht?

(Dame naiv bekümmert um den Leutnant:) Oh, daran habe ich nicht gedacht! Es war brutal von mir—aber ich konnte nicht anders, nicht wahr? Wie hätte ich sonst die Papiere bekommen sollen? (Flehentlich:) Herr General, Sie werden ihm die Schande ersparen!

(Napoleon bitter lachend:) Retten Sie ihn, da Sie so gescheit sind! Sie waren es ja, die ihn ruiniert hat! (Mit wilder Betonung:) Ich hasse einen schlechten Soldaten! (Er geht entschlossen durch den Weingarten hinaus; sie folgt ihm einige Schritte mit einer beschwörenden Gebärde, wird aber durch die Rückkehr des Leutnants aufgehalten, der mit Handschuhen und Mütze und umgürtetem Degen marschbereit ist. Er durchschreitet das Zimmer nach der äußeren Tür zu, als sie ihm in den Weg tritt.)

(Dame.) Herr Leutnant!

(Leutnant wichtig:) Sie dürfen mich nicht aufhalten,—Dienst ist
Dienst, gnädige Frau.

(Dame flehentlich:) O Herr Leutnant, was wollen Sie meinem armen
Bruder tun?

(Leutnant.) Lieben Sie ihn sehr?

(Dame.) Ich würde sterben, wenn ihm etwas zustieße—Sie müssen ihn verschonen! (Der Leutnant schüttelt düster den Kopf.) Ja, ja, Sie müssen—Sie werden… Er darf noch nicht sterben! Hören Sie mich! Wenn ich Ihnen sage, wo er zu finden ist—wenn ich es unternehme, ihn als Gefangenen in Ihre Hände zu liefern, damit Sie ihn dem General Bonaparte übergeben können—wollen Sie mir dann als Offizier und Edelmann bei Ihrer Ehre schwören, nicht mit ihm zu kämpfen oder ihn auf irgendeine Weise schlecht zu behandeln?

(Leutnant.) Aber gesetzt den Fall, daß er mich angreift… er hat meine Pistolen!

(Dame.) Dazu ist er viel zu feige.