113.
Der Jungfernsprung bei Dahn.
(Abweichung von Nr. 198 des Hauptwerkes.)
Auf einer waldigen Höhe bei Dahn ward einst ein unschuldiges Mädchen, welches einsam Kräuter sammelte, von einem geilen Jäger angefallen. Sie entsprang ihm und floh, von ihm verfolgt, bis vor auf die steile Felsenwand, die die Höhe gegen das Thal bildet. Da sie keinen andern Ausweg hatte, that sie in Gottes Namen den Sprung in die Tiefe, wobei sie sich nur den kleinen Finger[12] verstauchte. Auf dem Platze, wohin sie gesprungen, sprudelte gleich eine klare Quelle hervor. Die Felsenwand erhielt von der Begebenheit den Namen Jungfernsprung, und es ward ein hölzernes Kreuz darauf gesetzt.
[12] Statt des kleinen Fingers nennen Manche hier und in Nr. 198 des Hauptwerkes die kleine Zehe, und Andere den kleinen Finger und die kleine Zehe.
114.
Schatz gehoben.
Auf dem Wingertsberge bei Annweiler brannte früher ein nächtliches blaues Licht, das bald größer, bald kleiner wurde. Einmal kam ein Mann aus dem Orte, welcher spät in der Nacht nach Hause fuhr, in die Nähe des Lichtes; da ging er schweigend hin, deckte seinen Mantel darauf und setzte dann seinen Heimweg fort. Am nächsten Morgen um fünf Uhr war er wieder auf dem Berge, und als er seinen Mantel aufhob, lag ein Schatz Geld darunter, den er unangefochten sich zueignete. Seit dieser Zeit wird das Licht nicht mehr gesehen.
115.