119.

Todesvorzeichen.

Am Abend vor Allerheiligen 1831 waren ein Glaser und ein anderer Bürger aus Durlach mit einer Fuhr Wein, den sie in der Bruchsaler Gegend gekauft, auf dem Weg nach ihrem Orte. Der Mond schien hell, und die zwei Männer gingen weit hinter dem Fuhrwerk her. Als sie zwischen 8 und 9 Uhr in die Nähe von Untergrombach kamen, sahen sie über dem Straßengraben einen Reiter, der im Schritte neben ihnen herritt und, wie sein Pferd, einen Federbusch auf dem Kopfe hatte. In der Meinung, es sey Einer, der sie foppen wolle, sprang der Glaser hin und versetzte ihm einen Stockstreich; allein er traf einen Erlenbaum, und Reiter und Roß waren verschwunden. Nicht ohne Grauen begaben sich die Männer zu ihrem Weinwagen, und bald bemerkten sie und der Fuhrmann, wieder jenseits am Graben, eine einspännige Kutsche, worin ein Geharnischter mit Helmfedern saß, und deren Pferd, gleich einem Leichenroß, einen Federbusch trug, und von einem daneben gehenden Mann geführt wurde. Statt dieser Kutsche zeigte sich später eine zweispännige; der Geharnischte saß auch darin, und die Pferde hatten ebenfalls Federbüsche und Führer. Bis an die Steige oberhalb Weingarten's begleitete die Kutsche die Weinfuhr; dort aber war sie plötzlich weg und ließ auch nachher sich nicht mehr sehen. Zwei Tage darauf wurde der Glaser krank. Er sagte gleich, daß die Erscheinungen seinen bevorstehenden Tod bedeutet hätten, und wirklich erfolgte derselbe auch nach weitern neunzehn Tagen.

120.

Der Thurmberg bei Durlach.

(Zu Nr. 215 des Hauptwerkes.)

Eines Tages kam auf diesem Berge zu zwei Männern eine weiß gekleidete Frau und gab jedem stillschweigend einen Blumenstrauß. Sie dankten ihr, und als sie darauf anfing zu weinen, fragten sie um die Ursache. »Hättet ihr mir nicht gedankt«, antwortete sie, »dann wäre ich jetzt erlöst, so aber bin ich es nicht!« Nach diesen Worten verschwand sie.

Ein reisender Handwerksbursch, welchen sein Weg über den Berg führte, legte sich daselbst ermüdet nieder und schlief ein. Durch ein Streichen über sein Gesicht ward er geweckt, und vor ihm stand die weiße Jungfrau und fragte ihn, ob er arm sey. Nachdem er es bejaht hatte, hielt sie ihm ihr Gebund Schlüssel hin, mit den Worten: »Wähle einen der Schlüssel, und wenn Du den rechten erräthst, so ist Dir und mir geholfen!« Auf seine Bitte, ihm den rechten zu zeigen, erwiderte sie, daß sie selbst denselben nicht kenne. Er suchte nun einen Schlüssel aus, allein als sie ihn aus dem Gebund ziehen wollte, wählte er einen andern, darauf nahm sie diesen heraus und steckte ihn in das Schlüsselloch einer Thüre, die daselbst in den Berg führte, aber erst jetzt sichtbar wurde. Trotz aller Anstrengung konnte die Jungfrau die Thüre nicht aufschließen, worauf sie traurig sagte: »Es ist der rechte Schlüssel nicht!« und im Nu, nebst der Thüre, verschwunden war.

Der Burgbrunnen steht mit einem wasserreichen See in unterirdischer Verbindung, daher er immer gleich stark fließet. Bei ihm ging vormals ein Gang in den Berg, welcher mit einer eisernen Thüre verschlossen war. Auf derselben sah, Nachmittags um halb 4 Uhr, ein dort arbeitender Mann einen Vogel sitzen, der sich gutwillig von ihm fangen ließ. Er that ihn in sein Sacktuch, legte es nebenhin in's Gras und seine Jacke darauf. Nach einer halben Stunde sah er wieder nach dem Vogel; aber da war derselbe weg, obgleich Jacke und Sacktuch unverrückt gewesen. Nun erkannte der Mann, daß er es mit keinem wirklichen Vogel zu thun gehabt habe.

Drei andern Männern kam kurz vor dem Abendgeläute, als sie die Bergtreppchen hinunter gingen, ein Unbekannter mit einem Stock entgegen, welcher ihren Gruß nicht erwiderte und, da sie ihn genauer betrachteten, Geisfüße hatte.