Einige Uebereinstimmung mit diesem, besonders aber mit der vorhin erwähnten Zeichnung vom Jahre 1489 hat das von Bartsch unter Nr. 92 »le Violent« genannte Blatt, welches auch ohne Monogramm ist und jedenfalls zu den Erstlingen seiner Leistungen als Kupferstecher gehört.
Der nur in Contouren angelegte Hintergrund der Landschaft und die eckige Behandlung des Strauchwerks sind Eigenthümlichkeiten, welche auf der erwähnten Zeichnung ebenfalls vorhanden sind, auf späteren Stichen Dürer’s so aber nicht wieder vorkommen.
Diesem Stiche dürfte sich am nächsten, B. 44, »die heilige Familie mit dem Schmetterlinge« (richtiger der Heuschrecke) anschließen, welcher ebenfalls dem 15. Jahrhunderte angehören muß, da Israel von Meckem, welcher 1502 starb, davon eine Copie gestochen hat.
Der Form des Monogramms nach wird die »Liebes-Erbietung«, B. Nr. 93, etwa auf das vorstehende Blatt folgen; hier finden wir bei mancher Rohheit des Stiches doch schon eine größere Ausbildung der Landschaft und auch eine sorgfältigere Behandlung der Gesträuche.
Weiter die Priorität der einzelnen Stiche mit einiger Sicherheit zu verfolgen, halte ich für sehr schwierig, und ziehe es, besonders auch der bequemen Uebersichtlichkeit wegen, vor, meine Bemerkungen über die einzelnen Blätter nach den Nummern des Peintre graveur von Bartsch folgen zu lassen.
B. Nr. 1. Adam und Eva. 1504.
Dieses vollendete Blatt gilt mit Recht für einen der vortrefflichsten Kupferstiche unsers Meisters, wie seiner Zeit, auch hat er selbst es besonders hoch gehalten, da Abdrücke davon am häufigsten unter den zahlreichen Geschenken vorkommen, welche Albrecht Dürer — seinem Tagebuche von der Reise nach den Niederlanden zufolge — auf dieser gemacht hat.
Auf keinen seiner Kupferstiche ist indeß von ihm auch so viel Sorgfalt verwendet. — Verschiedene Federzeichnungen und Studien zu den einzelnen Theilen sind noch vorhanden und Dürer hat bei dem allmählichen Fortschreiten der Arbeit wiederholt Probedrucke von der Platte genommen, von denen noch drei Exemplare erhalten sind.
Zwei dieser unvollendeten Abdrücke, früher im Cabinet Durand, befinden sich in der Sammlung des Erzherzogs Albrecht in Wien, den dritten, aus der Sammlung Verstolck, bewahrt das Printroom des Britischen Museums.
Auf diesen Probedrücken ist die ganze Anlage des Stiches in den zartesten aber sichersten Umrissen vorhanden, während die Ausführung nur in einzelnen Theilen, weniger oder mehr fortgeschritten ist.