Bei der großen Gewandheit, welche Dürer in allen Kunstfertigkeiten besaß, namentlich auch dem Schnitzen in Holz, müßte es unbegreiflich sein, wenn er sich nicht auch als Formschneider versucht haben sollte, zumal er vor dem Schlusse des 15. Jahrhunderts (1498) auch als Buchdrucker auftritt und in dem letzten Drittel dieses Jahrhunderts, wie Passavant im I. Theil seines Peintre graveur, pag. 57 bis 64, näher nachweiset, zahlreiche Deutsche Maler als Zeichner, Formschneider und Drucker zugleich vorkommen. —

Auch ist es ja aus seinen eigenen Notizen bekannt[20], daß »Meister Sebald Rädleinmacher bei dem Sonnenbade« und »Hanns Franck in der Fröschau« ihm die Stöcke zurichteten. —

Namentlich in der früheren Zeit möchte unser Meister auch vergeblich Formschneider von Profession gesucht haben, welche in seinem Geiste mit der Freiheit und Großartigkeit hätten arbeiten können, wie wir sie in der im Jahre 1498 vollendeten vortrefflichen Holzschnittfolge der Offenbarung Johannis bewundern. — Wie gering die Zahl der Formschneider in Nürnberg bis zum Schluß des 15. Jahrhunderts gewesen, geht aus den verdienstlichen »Beiträgen zur Kunstgeschichte Nürnbergs, von J. Baader, Nördlingen 1860,« hervor, nach welchen, p. 5, bis dahin nur vier Formschneider als Meister und Bürger aufgenommen, sowie bei dem Magistrat beeidigt waren.

Späterhin hatte sich dieses allerdings sehr geändert, geschickte Formschneider, die nur als solche ihre Kunst übten, waren, auch in Nürnberg, nicht selten und wie erweislich die späteren großen Holzschnittwerke, welche Dürer für den Kaiser Maximilian zu arbeiten hatte, der Triumphbogen und der Triumphwagen, nicht von ihm geschnitten sind, so ist auch in frühern, technisch sehr vollendeten Holzschnitten, namentlich aus den Jahren 1511 und 1512, die eigne Hand des Meisters nicht mehr zu erkennen. Dasjenige, was Passavant in seinem Peintre graveur, Vol. 1, pag. 68 und folgende, als Beweis dafür anführt: daß unser Meister überall nicht den Formschnitt geübt habe, beweist nur, daß die Stöcke seiner vorhin erwähnten späteren Werke, namentlich nach 1515, nicht von ihm selbst geschnitten sind, wogegen Niemand einen Zweifel erheben wird, der sich ernstlich mit den Holzschnitten unsres Meisters beschäftigt hat. —

Bei den Holzschnitten findet übrigens, in Beziehung auf die Güte der Abdrücke, eine weit geringere Abstufung statt als bei den Kupferstichen, und es tritt häufig gegen diese der umgekehrte Fall ein: daß diejenigen Abdrücke mit recht voller Farbe neuer sind als die helleren, weniger kräftig scheinenden.

Viele Holzstöcke Dürer’s haben sich lange in verhältnißmäßig gutem Zustande, theilweise bis auf die neuesten Zeiten erhalten, und die Gefahr, durch neuere Abdrücke getäuscht zu werden, ist daher bei Holzschnittblättern weit größer als bei Kupferstichen.

Hier bietet das Studium der Papiere und ihrer Wasserzeichen eine sehr wesentliche Hülfe dar, welche um so wirksamer ist, als bei dem in der Regel größeren Format der Blätter die Wasserzeichen weit häufiger sichtbar sind, das Papier auch selten so geflickt, oder durch Waschen, Bleichen und Pressen so mißhandelt ist, wie man es nur zu häufig bei den Stichen findet.

Die Papiere, welche Dürer zu den Abdrücken seiner Holzschnitte gebrauchte, sind durchschnittlich von einer dickeren, weniger feinen Masse als diejenigen zu seinen Kupferstichen verwendeten, wenngleich sie — den Wasserzeichen nach — theilweise wenigstens aus denselben Papiermühlen herrühren.

Besonders starke und feste Papiere finden sich bei den Holzschnitten, welche Text auf der Rückseite haben, die stärksten bei den drei großen Holzschnittfolgen der Apocalypse, des Leben der Jungfrau und der großen Passion. —

Die von unserm Meister erweislich während seines Lebens zu Holzschnitten gebrauchten Papiere haben die folgenden, möglichst chronologisch geordneten Wasserzeichen: