In Beziehung auf die Reinheit des Drucks darf indeß nicht unbeachtet bleiben, daß ältere Abdrücke mit Text auf der Rückseite oft weniger klar und rein sind, als spätere ohne Text. —
Mit Ausnahme der Abdrücke der ersten Editionen der Apocalypse vom Jahre 1498, bei denen die Holzstöcke mit großer Sorgfalt geschwärzt und gedruckt, welche daher scharf und rein sind, findet man durchschnittlich die Abdrücke aller Dürer’schen Holzschnittfolgen — sobald Text auf der Rückseite ist — nicht so klar, als gute Abdrücke desselben Holzstocks ohne Schrift.
Es läßt sich dieses nur dadurch erklären, daß die zu der Schrift verwandte Druckerschwärze auch für die Holzschnitte gebraucht und weniger sorgfältig mit den damals gebräuchlichen Lederballen aufgetragen wurde.
Auch mögen die mangelhafte Construction der damaligen Druckerpressen, die den Druckern gewöhnliche schnelle Handhabung derselben, so wie die, durch den Eindruck der Buchstaben, auf der Rückseite entstandene Ungleichheit der Fläche des Papiers mit daran Schuld sein.
Die Druckerschwärze, welche bei den Dürer’schen Editionen vom Jahre 1511 gebraucht wurde, war häufig unrein und zu stark aufgetragen, daher in den Schattenparthien der Holzschnitte nicht selten Unklarheiten entstanden sind.
Diese Mängel, welche oft weniger oft mehr hervortreten, beweisen, daß Albrecht Dürer auf die Abdrücke der im Jahre 1511 herausgegebenen Holzschnittfolgen nicht die persönliche Sorgfalt verwandt hat, wie auf die Holzschnitte ohne Text und auf die Ausgaben der Apocalypse vom Jahre 1498. —
Daß unser Meister übrigens selbst im Besitz einer Buchdruckerpresse und der erforderlichen Typen gewesen ist, wird nach den Schlußschriften der verschiedenen Editionen »Gedrücket zu Nurnbergk durch Albrecht dürer Maler« und »Impressum Nurnberge per Albertum Durer Pictorem« nicht bezweifelt werden können, auch erkennt man in den semigothischen Typen des lateinischen Textes der Apocalypse, bei der Ausgabe vom Jahre 1511 dieselben, welche bei der Edition vom Jahre 1498 verwandt wurden, von welchen sie sich nur durch eine geringere, während des Gebrauchs verloren gegangene Schärfe unterscheiden. Ebenso sind die zum Leben der Jungfrau, der großen und kleinen Passion gebrauchten lateinischen Typen einander ganz gleich. —
Diese letzteren Typen kommen in Nürnberg zuerst bei einzelnen alten Drucken vom Jahre 1501 und 1502, namentlich »Opera Hrosvite« »Celtis .... libri amorum« vor, und bei der genauen Uebereinstimmung der zu diesen Werken gebrauchten Lettern, mit denen, welche Dürer zu den vorbezeichneten Folgen verwandte, wird man zu der Annahme berechtigt, daß unser Meister jene zu diesem Zweck erworben hat.
Die Druckerei in Nürnberg, in welcher sie zuerst angewandt wurden, ist mit Sicherheit nicht bekannt, doch waren diese lateinischen Typen damals noch selten, und auch an der Stumpfheit derselben bei den Dürer’schen Drucken im Vergleich zu den erwähnten Werken erkennt man, daß sie durch früheren Gebrauch abgenutzt waren.[23]