„Wegen eines verrückten Frauenzimmers werden wir uns nicht verfeinden!“ sagte er und sah mich mit Tränen in den Augen an. „Wie?“
„Das fehlte noch, Yann!“
Yann preßte mir die Hand.
„Noch eines, Yann. Ist es wahr, daß Yvonne es mit allen Matrosen hält und mit sechzehn Jahren ein Kind hatte?“
„Tiens!“ lachte Yann. „Wie kann jemand solch eine Lüge ersinnen!“
XXVIII
Das Meer lockte mich. Ich sah es an und es winkte mir mit seinen tausend Händen. Ich wurde krank im Herzen, wenn ich die Dampfer draußen in hoher See sah — denn ich war nicht an Bord, hinaus!
Tag für Tag arbeitete ich draußen auf dem Meere. Wir fischten in dieser Zeit einen meterlangen, aalförmigen Fisch, congre, der sich in großen Tiefen aufhält. Die Leinen waren ordentliche Seile und so lang, daß sie das ganze Boot ausfüllten. Der Fisch aber war wie von Teufeln besessen und man mußte ihn augenblicklich abschlachten. Die Sonne röstete mich. Mein Gesicht, mein Nacken und meine Brust, meine Arme und Hände wurden kupferrot und an manchen Stellen schwarz wie Ruß und die Haut löste sich in großen Stücken ab. Meine Haare verfilzten und fielen aus, meine Augen entzündeten sich vom Salz, meine Stimme wurde rauh und heiser wie die der Fischer. Ich sprach auch dasselbe heulende Französisch der Bretonen, das selbst Franzosen schwer verstehen. Und, gehe in die Hölle, ich hatte es gelernt zu fluchen und die Faust zu ballen!
Wenn das Wetter schlecht war, so verständigte ich mich mit Jean Louis. Für eine Flasche eau de vie fährt der Meerkönig, wann du willst. Ganz allein zogen wir in unserem winzigen Boot hinaus, während die großen Langustiers an ihren Ketten rissen. Wir hatten stets Glück.
Das Meer sang und jubelte. Oft tobte es verführerisch in der Nacht vor meinem Hause und ich erwachte. Der Regen peitschte ans Fenster und der Wind schrie.