„In die Hölle mit euch!“
Ich ging. Ich bebte vor Zorn.
Nebel. Dick und häßlich gelb, wie Eiter. Creach grollte alle drei Minuten, das Meer schlug.
Bei den Klippen standen die Fischer und lauerten auf alles, was geschwommen kam. Zerschmetterte Leichname trieben ans Land. Am Vormittag zählte man sieben, am Abend dreizehn. Der Nebel aber stand wie eine Mauer.
Creach brüllte die ganze Nacht. Am nächsten Morgen war der Nebel dünner geworden, und plötzlich unterschied man im Düster draußen den Dampfer. Er lag schräg, sein Achterdeck stand über Wasser und bei jeder Woge stieg ein Turm von Gischt daran in die Höhe. In den Tauwänden hing etwas wie graue Flocken, das waren Menschen. Der Nebel zog und wir sahen sie nicht mehr.
Um zwei Uhr aber, zur Zeit der Ebbe, fuhr Yann hinaus.
Hoch Yann, und dreimal hoch!
Ja, plötzlich regte es sich auf dem „Arbeiter“, der draußen im Nebel inmitten der Sturzseen tanzte. Die Ankerwinde rasselte. Wir sahen einander an. Wie? Es zischte und aus dem Kamin quoll eine dicke Rauchwolke, die den „Arbeiter“ in graue Nebelballen einpackte. „Der kleine Kapitän marschiert!“ Ja, natürlich marschiert er! Das war Yann, der wie ein Mädchen weinte, wenn er betrunken war. Nun aber zeigte es sich, was in ihm steckte! Er hatte lange genug gewartet und nun ging er los und war nicht mehr zu halten. Entweder — oder. Gewiß hatte er die Zähne gezeigt, als seine Mannschaft zögerte. Eine Stunde lang rasselte die Ankerwinde, stoß- und ruckweise, der Anker saß fest. Plötzlich aber hörten wir etwas, ein fürchterliches Gebrüll — trotz der Entfernung. Das war Yann. Gleichzeitig bewegte sich der Nebeldampfer. Er fuhr rückwärts! „O, lala!“ sagte Noel. Dann stellte er sich auf die Hinterbeine und stürzte kopfüber hinab, rollte und ging vorwärts. Wir sprachen kein Wort. Nur, da wir lange zusahen, wie sich Yann Zoll um Zoll den Weg erkämpfte, sagte einer: „Wenn die Maschine es aushält —!“ Wir warteten stundenlang auf demselben Fleck und spähten in den Nebel hinein. So oft wir Yann tuten hörten, sahen wir einander an und regten uns.
Yann kehrte mit acht Schiffbrüchigen zurück. Es war ihm gelungen, ein Seil zu werfen, über das sie an Bord klettern konnten. Am nächsten Morgen ging das Rettungsboot hinaus und holte die zehn übrigen. Nun waren sie alle gerettet bis auf einen, einen Neger, einen Stoker, der sich nicht über das Seil wagte.
Man sah ihn den ganzen Tag über oben auf dem Mast hocken wie einen kleinen dunklen Klumpen. Der Nebel zog und verbarg ihn, der Nebel wurde dünner, und immer noch saß der Neger da. Der Mast hatte sich geneigt und ragte nur noch zum vierten Teil aus dem Wasser. Gegen Abend ging das Rettungsboot nochmals hinaus und fuhr so nahe wie möglich an den Mast heran. Gespenstisch wie der Fliegende Holländer tanzte das Boot im Nebel. Aber der Neger rührte sich nicht vom Platze. Am andern Morgen hatte sich die Mastspitze bis aufs Meer herabgesenkt. Das Spritzwasser ging über den Neger hin. Wieder fuhr das Boot hinaus, aber der Neger rührte sich nicht. Er hockte da und heulte. Er hatte den Verstand verloren. Am Abend, als sich der Nebel auf Augenblicke lichtete, war die Mastspitze leer.