Die Sonne verglühte und zog ihre Glutkegel zurück. Bleich und fahl trieb die Viktoria auf dem Brandenburger Tor ihr Triumphgespann vorwärts. Schon schob sich die schwarze drohende Finsternis herauf über die Riesenstadt, um sie zu vernichten. Die Nacht war nahe.

Düster lag das Schloß, kalt, leblos. Tod und Nacht strömten von ihm aus, Kälte und Haß. Ringsum die Denkmäler, die finstern Reiter aus Erz mit ihren Marschallstäben standen wie Schatten.

Wo immer sie ihre Hufe hinsetzen auf Erden, diese Rosse aus Erz mit ihren finstern Reitern, entweichen die freundlichen Geister!

Aber auch sie werden dahinschmelzen im Blicke seines Zorns. —

Ackermann erhob sich. Es wurde kalt. Die Schatten wurden dichter und krochen näher.

Er überquerte den Schloßplatz, überschritt die Brücke und wanderte der finstern Vorstadt zu.

1914 hatten sie gestürmt, bei Langemark, mit dem Liede: „Deutschland, Deutschland über alles.“ Man hatte sie in die englischen Maschinengewehre gejagt. Wie viele waren zurückgekommen? Einer der wenigen war er. Wieviel war seitdem geschehen!

Wie Hunderttausende war er zu den Fahnen geeilt — wie Hunderttausende in dem Wahn, sein überfallenes Vaterland zu schützen.

Wie Hunderttausende hatte er sich dem Tode entgegengestürzt, wie Hunderttausende hatte er gemordet. Wie Hunderttausende war er der Verzweiflung nahe gewesen und hatte er den Tod herbeigesehnt. Wie Hunderttausende der armen Teufel aller Nationen hatte er in dem Wahne gelebt, einer heiligen Sache zu dienen.

Im Laufe der Zeit aber war er zur Erkenntnis gekommen, daß Deutschland nicht überfallen worden war, sondern eine Handvoll eitler Scharlatane den Krieg provozierte. Aber auch das war ja nicht richtig. Ein Jahr später hatte er sich zur Erkenntnis durchgerungen, daß alle Völker, die sich heute zerfleischten, gleichermaßen schuldig waren.