Da verbeugte sich ein zerlumpter Bettelmönch vor Hedi und hielt ihr eine Schale hin, eine ausgehöhlte Kokosnußschale, die er an einer dünnen Kette am Handgelenk trug. Der Bettelmönch war völlig in Tuchlappen von einem eigentümlichen, unangenehmen, schmutzigen Gelb eingehüllt, wie eine Mumie. Sogar die Arme. Er trug einen orangeroten Turban, mit dicken grünen Schnüren umwickelt. Seine Augen blendeten.

„Wer bist du?“ fragte Hedi und warf eine Zigarette in die Schale. Ihr Herz stockte.

Der Bettelmönch hob die Schale zur Stirn und verneigte sich. Wieder blendeten seine Augen.

„Wer ist es?“

„Ich kenne ihn nicht. Gottlob sind alle Gesichter vermummt. Welch eine herrliche Idee! Um wieviel gewänne dadurch das Leben!“

Hedi blickte in die kleinen, raschen Augen des Räubers, blitzende Pechtropfen. Wer war es, der sich an ihre Fersen heftete und sie nicht mehr losließ? Seine Keckheit gefiel ihr, auch der Unsinn, den er sagte. Ein großer Diamant gelblichen Feuers sprühte an seiner kurzfingrigen, gepflegten Hand.

Schon jetzt glühte Hedi am ganzen Körper. Ja, heute, heute, in dieser Nacht, mußte es geschehen, in dieser Nacht mußte es sein! Was mußte geschehen, was mußte sein? Das wußte sie selbst nicht.

Betörend dudelte das sonderbare Holzinstrument in Hedis kleines Ohr.

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„Halt, einen Augenblick, Verehrtester!“