„Wir sind ja jung! Vor uns liegt das Leben, vor uns liegt die Zukunft. Ich liebe dich, du Teuerster!“
Schon taumelte sie wieder erschrocken zurück. Durch die Luft kam kopfüber ein Mensch geflogen, ein Mensch, merkwürdigerweise in Uniform, mit staubgrauem Gesicht und fiebrisch glänzenden Augen. „Feuerwalze, Feuerwalze!“ schrie erschrocken ein Chor von Stimmen. „Er hat sich das Genick gebrochen!“
Die fiebrischen Augen wandten sich der kleinen, grauen Witwe zu. „Du weinst ja —“ sagte der Uniformierte verwundert, und schon zuckte eine Hand nach ihr.
Aber schon floh Klara. Zwischen Vermummten hindurch, eine kleine Treppe hinauf. Plötzlich hielt sie inne: in einem Sessel saß der General. Auch für ihn gab es weder Tanz noch Musik. Zusammengesunken saß er, den Blick in sich zurückgezogen.
Düster brannten seine Augen.
Er hatte sich früher auf Festen gelangweilt, heute bedrückten sie ihn. Musik weckte Melancholien, fröhliches Gelächter Trauer. Er war ja nur hierhergekommen, um Dora nicht zu kränken — und um womöglich einige Worte mit einer hochstehenden Persönlichkeit zu wechseln, die ihr Erscheinen zugesagt hatte. Voller Verachtung blickte er auf diese Narren herab, die sich in bunte Lappen hüllten. Die Frauen begriff er noch zur Not — es war ihre Natur — aber die Männer —? Während das Brüllen der Kanonen eine neue Epoche der Geschichte verkündete?
Durch eine schmale Tapetentür schlüpfte Klara ins Treppenhaus. Hier, zwischen alten Truhen und Schränken, atmete sie auf. Fern klangen Trommeln und Pfeifen. Plötzlich lächelte sie wieder.
Glücklicher war sie ja, als alle! Als alle!
Und plötzlich tanzte die kleine graue Witwe mit stillen, kleinen Schritten, für sich allein, zwischen den alten Truhen und Schränken. Sie hatte noch nicht das Meer gesehen und noch nicht das Hochgebirge. Zierlich hob sie die Füßchen: all das würde sie sehen — mit ihm! Venedig und Paris, London und eine Stadt in Indien — zierlich wiegte sie die Hüfte — alles mit dir, mein Geliebter . . .