Die tanzenden kleinen Toten aber beachteten den vorüberfahrenden Wagen mit den Särgen nicht. Sie schoben den Reigen nur etwas zur Seite und sangen weiter.

Endlich brach der schmächtige junge Mann das Schweigen. Mit einem nicht unfreundlichen Lächeln wandte er sich an Herrn Herbst.

„Sie wissen wohl, daß die große Offensive heute begonnen hat?“ sagte er im Tone eines Menschen, der ein Gespräch beginnen will. „Tausende von Gefangenen —“

„Tausende — so, so —“ stammelte Herr Herbst verwirrt.

„Ja, am ersten Tage!“ Aber das Gespräch kam nicht in Gang. So also ging es nicht. Der schmächtige junge Mann polierte den Kneifer, lächelte Herrn Herbst mit kurzsichtigen Augen an, und begann von neuem in etwas kühlerem, geschäftlichem Tone: „Sie kennen mich nicht, Herr Herbst?“

„Wirklich nicht? Und Sie haben mich auch nie gesehen? Trotzdem gingen Sie sofort mit mir, seht an. Ein neuer Beweis, daß es unleugbare Kräfte gibt, die Macht über die Menschen verleihen, magnetische und hypnotische Kräfte. Seit acht Tagen, seit vollen acht Tagen folge ich Ihnen wie ein Schatten, mein verehrter Herr Herbst. Sie staunen? Sie sehen, man muß es nur geschickt anstellen. Vor einigen Tagen aß ich sogar mit Ihnen am gleichen Tisch in der Dorotheenstraße. Und am Schluß der Reichstagssitzung stand ich dicht neben Ihnen, als Sie den hohen Offizier grüßten —“

Herr Herbst zuckte zusammen. Ah, ah — er hatte es ja augenblicklich gefühlt! Seine Ahnungen! Die Polizei war ihm auf den Fersen, die Geheimpolizei. Der General hatte sie auf seine Spur gesetzt, und nun war er — verloren! Ja, dieser General, natürlich, er wollte seine Macht zeigen, er hatte ihm jenes furchtbare Wort entgegengeschleudert, belästigte ihn . . .

„Ich hatte, mit einem Wort, den Auftrag, mich mit Ihrer Persönlichkeit zu beschäftigen.“

„Ich weiß es.“

„Sie wissen es?“