„Sie sind ja jetzt noch kreidebleich! Nun, nun, Ihre Nerven sind in einem heillosen Zustand, Herr Herbst, einem bösen, bösen Zustand, ei, ei! Und doch wollen wir nur in Ihre Wohnung in der Blücherstraße gehen. Ich sagte Ihnen ja — nur noch ein einziger großer dunkler Punkt — he, Kutscher!“
Kunze winkte geschäftig eine Droschke heran. „Blücherstraße!“
Herr Herbst hob abwehrend die Hände.
„Nein, nein — unmöglich, ganz unmöglich!“ stotterte er hilflos.
Aber der schmächtige junge Mann stampfte plötzlich ärgerlich auf den Boden und sagte mit scharfer Stimme: „Sie werden gehen! — Bitte, bitte recht sehr, Herr Herbst“, fügte er wieder ruhig und höflich hinzu, und schob den vor Erregung zappelnden Havelock in die wackelnde Droschke.
„Wir können den weiten Weg unmöglich zu Fuß gehen. Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren. Mein Chef ist schon ungeduldig, er erhielt eine Rüge von einer höheren Stelle. Machen Sie es sich ruhig bequem. Es wird ja alles bezahlt. Das sind die Spesen. Sehen Sie hier, in diesem Notizbuch, hier unter H., das sind die Spesen. Ich hätte ebensogut ein Auto nehmen können.“
Voller Verzweiflung starrte Herr Herbst vor sich hin.
Kunze zog vorsichtig die Beinkleider über das Knie herauf. „Mein Chef, er ist Major, ermahnte mich ausdrücklich, keine Kosten zu scheuen“, fuhr er zu schwatzen fort. „Mein Chef strahlt! Sie haben uns ja, mein lieber Herr Herbst, auf eine eminent wichtige Spur gebracht — ein selten glücklicher Zufall! Ach, wie langsam doch dieser elende Wagen fährt! Das Material wächst, der Ring schließt sich — wir arbeiten Tag und Nacht — mein Chef wird einen hohen Orden bekommen — und auch ich vielleicht, vielleicht sogar das Eiserne Kreuz, er machte Andeutungen, mein Chef . . .“
Plötzlich brach Kunze ab und zog rasch den Kopf zurück.
„Pst, pst“ — machte er, und deutete mit dem langen, dünnen Finger auf die Straße. „Aber sehen Sie doch, wer da eben aus der Elektrischen steigt! Sehen Sie doch! Wie? Wie? Unglaublich — Fräulein v. Hecht!“