Vor wenigen Tagen aber fuhr sie in die Stadt. Nach ihrer Gewohnheit kaufte sie in einem Kiosk der Untergrundbahn wahllos einen Stoß Zeitungen. Wie viele Menschen, war sie zu einer fanatischen Zeitungsleserin geworden, es war eine förmliche Krankheit bei ihr. Plötzlich war es ihr, als ob sie seinen Namen gelesen habe! Unglaublich zwar — aber hatte er ihr nicht oft gesagt: gib acht, eines Tages wirst du plötzlich meinen Namen in den Zeitungen lesen, und wie überrascht wirst du sein! Sie blätterte, und richtig — da stand sein Name: Heinz Sterne-Dönhoff. Sie las, und sie begriff zuerst nicht. Nachdem vor knapp einem Jahre sein Vater, der Major Sterne-Dönhoff, den Heldentod . . . Sie las die Unterschriften, und plötzlich begriff sie.

Sie warf ihre Zeitungen auf den Sitz, daß sie umherflatterten, und rannte durch den Wagen.

„Er ist tot,“ schrie sie, „ich will hinaus!“

„Aber Sie sehen doch, daß der Zug fährt, Sie können doch nicht aussteigen“, sagten die Herren, die die Türe verbarrikadierten. „Sie zerschmettern sich den Kopf, liebes Fräulein.“

Da fuhr der Zug in einen Bahnhof ein, und Klara stürzte hinaus.

„Es ist schrecklich, jeden Tag erlebt man jetzt derartige Szenen. Gestern sprang eine Frau auf dem Bahnhof Spittelmarkt vor den Zug und ließ sich überfahren. Ich sage Ihnen, es war entsetzlich — dieser Schrei!“

„Hören Sie auf, ich kann von solchen Dingen schon gar nichts mehr hören —“

Arme, kleine Klara, sie begriff es noch heute nicht. —

Ja, nun wollte sie es wagen. In Gottes Namen!

Sie drückte auf die Klingel und gab ihre Karte ab. Diese Karte war schwarz umrändert. Klara war so tief und dicht verschleiert, daß man kaum noch einen Schimmer des Gesichts sah.