Jetzt? Jetzt?
Gesetzt den Fall — jetzt!
Die Hände in die Luft werfen, schreien, diesen Menschen, die sich hier angesammelt hatten, es zuschreien, diesen armen Krüppeln und Kranken mit ihren Pappschachteln, laut, über den ganzen Platz, so laut, daß Hunderte es hören, Tausende und Zehntausende es am Abend wußten —?
Er erbleichte. Angst schnürte seine Kehle zusammen, nicht eine Silbe hätte er hervorbringen können. Er schwankte — schon bei dem Gedanken. Jetzt würden sie über ihn herfallen, der Unteroffizier, wahrscheinlich sogar die Männer mit den Pappschachteln und der Schutzmann dort, er würde herbeieilen und ihn zu Boden schlagen.
Aus einem Straßenbahnwagen starrten ihn erschrocken ein Paar große Augen an, eine alte, zitronengelbe Frau.
Er hatte in der Erregung eine unwillkürliche Bewegung mit den Armen gemacht, und diese Bewegung hatte den Blick der Frau auf ihn gelenkt.
Die Straßenbahnwagen klingelten und rollten weiter. Wieder bewegten sich die Knie der Männer mit den Pappschachteln, ihre Rücken drängten sich zusammen. Die Menschenknäuel lösten sich, zerrannen. Die Wagen fuhren. Der Schutzmann betrachtete interessiert eine geschminkte Dame, die ihm zulächelte.
Ackermann stand allein auf dem Trottoir, müde plötzlich, ein leises Beben in den Gliedern. Allmählich erst kehrte die Farbe in sein Gesicht zurück. Langsam, die Pupillen geweitet, ging er weiter.
Hier? Wie unsinnig wäre es gewesen! Sinnlos, ohne jeden Widerhall. Menschenmassen mußten es sein, wimmelnde Menschen, aufhorchend, in deren Ohren sein Schrei weitergellte, so daß ihr Herz erbebte. Die seinen Schrei durch Berlin trugen in alle Häuser: über die ganze Stadt mußte sein Schrei hingellen.
Nein, nicht einen Augenblick hatte er ernsthaft daran gedacht. Aber wie war es möglich, daß ihn der Gedanke allein schon so tief erschreckte, daß sein Herz stehenblieb?