Horch, horch! Ja, schreie, sonst höre ich dich nicht! Stimme des Geldes, sehr wohl — die Mark, die Francs, die Pfunde, Dollars, sie brüllen — es sind auch die Millionenvölker Europas, die nach Nahrung brüllen, vergiß es nicht — und das trockene Schießpulver, der Aberwitz, er lacht aus den Feldgeschützen.

„Die gute alte Zeit, lieber Otto“ — schrieb Hauptmann Falk in seinem Erdloch — „sie ist endgültig vorbei. Schade! Ringsum schreien Menschen, aber ich kann ihnen nicht helfen, bevor es Nacht wird. Ich sitze mitten im Rauch. Mein Leutnant übergibt sich, er hat Gas geschluckt, Gott helfe ihm, ich kann gar nichts für ihn tun. Ich schwitze entsetzlich in meiner Gasmaske. Gestern sollten wir fünfhundert Flaschen Sodawasser bekommen, aber ein Volltreffer hat sie auf der Chaussee vernichtet. Die Zungen hängen uns heraus. Was für ein Staub! Dank, alter Junge, für den Kognak! Es war eine Freude. Wir hatten zwei gefangene Engländer in unserem Granatloch, auch sie bekamen einen Schluck aus der Flasche, mußte schwören, sie nach dem Kriege in England zu besuchen. Hoffe in einigen Tagen in Berlin zu sein. Seit einer Woche sollen wir abgelöst werden, aber niemand zeigt sich, obwohl es uns feierlich versprochen wurde. Die Sache gefällt mir nicht, alter Junge. Stelle die Flaschen kalt, du erhältst Telegramm. Grüße Bussi! Hoffentlich kommt der Brief durch. Man braucht hier zwei Stunden für einen Kilometer.“

Bussi? Bussi? Wer ist Bussi? Niemand weiß es, offenbar eine Dame, aber es tut schließlich nichts zur Sache.

Wie ein blutüberströmtes Antlitz sank die Sonne hinter der endlosen flimmernden Staubwolke. Rasch kam die Nacht. Aber die Geschütze wüteten weiter. Schweiß badete die Gesichter der Kanoniere. Die Brandung aus Eisen und Blut rollte fürchterlich in der Dunkelheit.

Schon stiegen die Leuchtkugeln, da, dort, überall, glühend in allen Farben. Ein Netz von Blitzen geisterte. — —

Die Raketen zischten in die Höhe und zerplatzten mit einem leichten Knall am Himmel. Trauben von silbernen, violetten, lichtblauen und bengalisch roten Christbaumkugeln sanken mild durch das tiefe Blau der Nacht.

„Ein Feuerwerk!“

Die Kapelle spielte. Vor dem Kurhaus zerschmolzen die hellen Kleider und grellen Mäntel und Jacken im gleißenden Licht der Bogenlampen. Hier außen am Strand aber war es ganz still, dämmerig, nur der Mond und das glitzernde Meer. Der Geruch von Tang und Salz in der lauen Luft. Ohne Pause glitten lautlos die silberschäumenden Wellen über den Sand und breiteten ihr gleißendes Schleiergespinst aus. Klein und hoch der Mond, und schaukelnde Scherben von Silber sein Spiegelbild.

Plötzlich zischte es, eine Rakete fuhr zu den Sternen empor. Eine Gruppe von sprühenden Funken erschien am blauen Nachthimmel, trieb, heller als die Gestirne, im leichten Wind sanft dahin und erlosch allmählich.

Aus einem Strandkorb fuhr eine silberne Larve, eine Hand, blitzend von Steinen, erschien. „Brillant!“