Und doch, er war vielleicht der einzige, der ihr über jene Dinge Ausschluß geben konnte, die sie unbedingt wissen mußte. Klara, die mit ihr in Babenberg war, hatte ihr Hedis Erlebnis am Anhalter Platz erzählt — das war alles, was sie erfahren konnte. Seine Freunde, sein jüngerer Bruder, wie vom Erdboden verschwunden, niemand zu sehen; keine Nachricht mehr, man hatte offenbar alle verhaftet — nur sie ließ man in Ruhe.

Nach vielen Tagen, die sie durch das verwahrloste, übelriechende Stadtviertel streifte — ja, plötzlich sah sie ihn.

Das, das mußte er sein! Sie fühlte es augenblicklich.

Ein Rudel lachender und kreischender Kinder — und mitten darin ein Mensch. In diesem Augenblick geschah es, daß sie wie eine Seherin fühlte, er! Ja, er war es.

Er tanzte wie ein Hampelmann, und sobald die Kinder ihm zu nahe kamen, schlug er nach ihnen mit seinem steifen Hut.

Plötzlich fühlte er Ruths Blick. Es war dicht bei der Eisenbahnbrücke, die sich über die staubige Fabriciusstraße spannt.

Er hielt inne — gerade wollte er wieder mit dem Hut nach den Kindern schlagen — und suchte seinen Blick zu sammeln.

„Geht weg!“ rief Ruth. Die Kinder drängten sich abseits zusammen. Eine Dame und der Betrunkene! Ungeheuer interessierte es sie. In der abenteuerlichen Vorstadt aufgewachsen, waren sie an die sonderbarsten Vorfälle gewöhnt.

„Ich möchte Sie einiges fragen!“ begann Ruth.

„Gerne — stets bereit!“ Herr Herbst schwang den Hut und schwankte erschrocken rückwärts. Er hatte Ruth sofort erkannt, und obschon er betrunken war, war ihm doch ihr verändertes Wesen aufgefallen. Ihre Stimme klang nicht mehr sanft und freundlich wie früher — hart, unbarmherzig. Ja, nun war sie also gekommen . . .