Die Erde war geborsten, und sie kamen heraus. Die Formlosen, Ungeformten, selbst noch Erde. Die Verschütteten waren ans Licht gekommen, die Explosion hatte sie befreit. Die Kasernen und Zuchthäuser waren geborsten. Auch die Schutzhäftlinge — Tausende und aber Tausende, die im Wege waren — sie waren frei. Auch jener Inder, den ein Geheimer Rat drei Jahre in Schutzhaft hielt, er war frei, und sein Peiniger bestellte ihm ein Hotelzimmer, um selbst rasch ins Ausland zu entfliehen.
Verschwunden die auf den Mann dressierten Berittenen und die Blauen, die gleich mit dem scharfen Säbel einschlugen. Verschwunden auch jenes Polizeigehirn, das eine Bibel von Verordnungen verfaßt hatte, die jeden Schritt von der Geburt bis zum Grab regelte. Fort mit ihm!
Fahrdämme und Bürgersteige sind überschwemmt. Redner überall. Auf Autos, Wagen, Karren, Bänken. Der Stumme, Jahrzehnte, Jahrhunderte stumm gehalten, nun spricht er!
Soldaten überall, einzeln, in Trupps, in Scharen, in ihren armseligen, geflickten Uniformen. Durch das Blutmeer sind sie geschritten, dem Blutmeer sind sie entstiegen, noch sind sie betäubt vom Geruch des Menschenbluts, schon aber glänzt neue Hoffnung in ihren Augen.
Düster gleitet der Blick des Generals über sie hin, seine Lippen zucken: die deutsche Armee —
Er fröstelt.
Kriegsgefangene, auch sie sind frei. In Rudeln schieben sie sich durch das Gedränge: Franzosen und Russen, Italiener und Engländer, Schotten und Irländer, Kanadier, Neger, Australier, Inder, in allen denkbaren Uniformen. Sie rauchen, kratzen sich die stachligen Backen, spucken aus, schnattern. Einer humpelt auf seinem Holzstumpen dahin, aber er lacht. Ja, weshalb nicht? Der Krieg ist gewonnen, der Präsident wird ihn auf die Wange küssen und ihm eine Blechmünze auf die Brust heften. Sein Vaterland wird ihm eine Rente aussetzen, zwanzig, dreißig, vielleicht hundert Franken den Monat, eine Drehorgel wird er gratis erhalten, er hat keine Sorge mehr.
Schon aber wandeln sie stolz und unnahbar durch die kochenden Straßen, die Brust voller Ordenssterne, mit roten Streifen an den Hosen, Litzen und Tressen glitzernd und funkelnd: die Sieger! Ein Geruch von Lorbeer bleibt hinter ihnen zurück.
Von weitem schon erspäht sie das Auge des Generals. Rasch begibt er sich auf die andere Seite der Straße und sieht sie dahinwandeln. Sie also! Die Würfel fielen.
Auch in seinen düstersten Träumen — Ja, oft hatten ihn düstere Träume gequält, oft schien es ihm, in müden Stunden, als ob es zuviel sei, ja, trotz der wunderbaren Armee und der herrlichen Organisation, zuviel — aber selbst in seinen düstersten Träumen hatte er es nicht für möglich gehalten, daß einst die Uniformen der feindlichen Generalstäbe unter den Linden zu sehen sein würden.