Er blieb stehen, schob die Mütze zurück über die schwarzen Haare, und — so erregt war er — deutete auf die rote Flagge auf dem Dache. Seine Lippen bebten. Ohne jede Regung stand er, gläubiges Feuer die Augen.
Dann nahm er die Mütze ab.
„— Licht aus dem Osten, Morgenröte —“
6
Während der General bei Stifter dinierte, löffelte der Havelock, der kleine Herr Herbst, in der Volksküche in der Dorotheenstraße seine Kartoffelsuppe. Er kam häufig hierher, aus bestimmten Gründen.
„Also nicht?“ flüsterte er aufgeregt vor sich hin. „Und ich wartete extra vor dem Restaurant und grüßte, aber er sah mich nicht. Er hätte sich gewiß daran erinnert. Nun, vielleicht — wenn auch dieser Portier glaubt — ein alter Mann, was weiß er?“
Herr Herbst saß in seinem feuchten, dampfenden Mantel, den steifen Hut auf dem Kopf, neben einem Fenster, das auf den düsteren Hof hinausging. Auf dem Fensterbrett lag noch dieselbe tote Fliege — wie lange lag sie schon da? Wieder stand im Hof das Auto mit den Papierballen. Dieser Hof gehörte zu jenem bekannten roten Gebäude in der Dorotheenstraße, wo die Verlustlisten auslagen. Jeden Tag kam das Lastauto mit den riesigen Ballen der neugedruckten Listen, täglich, seit dreieinhalb Jahren — sie fielen da draußen wie das Laub der Bäume im Herbst.
Wie das Laub — nicht anders — so dachte Herr Herbst, voller Gram.
Auch er, sein Sohn — Robert — war gefallen — nun — wie ein Blatt — das einfach fällt . . . ohne daß jemand es sieht . . .
Er nickte vor sich hin.