Früher dauerten Schlachten ein paar Stunden, höchstens ein paar Tage. In der Nacht standen sie still. Heute dauern sie wochenlang und der Tag ist zu kurz, in der Nacht wüten sie weiter.
Über der Lorettohöhe stehen nebeneinander, in gleicher Höhe, drei rote Monde und glühen zu uns herüber. Grüne Raketen fahren gespenstisch in die Höhe. Horch! Durch das Poltern und Trommeln der Geschütze hindurch, in den sekundenlangen Pausen zwischen den dumpfen Schlägen hört man deutlich das rollende Gewehrfeuer und das Knattern der Maschinengewehre. Es klingt, als würde ein Wagen voll Kohlen ausgeschüttet. Angriff!
Wieder greift Joffre an. Gestern nacht griff er an sechs verschiedenen Stellen an und dreimal an ein und derselben. Um zehn, um ein Uhr und um drei Uhr. Unsere Leute sind hart wie Stahl. Sie halten Unmögliches aus. Die Maschinengewehre mähen die französischen Kolonnen dahin, ganze Züge fliegen in die Luft, Lawinen von Leibern rollen über die Abhänge. Aber Joffre greift an! Man hat mir gesagt, wie hoch man seine Verluste schätzt, es sind irrsinnige Zahlen, ich wage sie nicht niederzuschreiben. Und doch wirft er Regiment um Regiment ins Feuer. Er erscheint mir wie ein nervös gewordener Spieler, der verloren hat und nun sein Geld aus allen Taschen reißt, Ringe und Uhr, und alles auf den Spieltisch schmeißt, um das Glück zu zwingen.
„Es ist bei der Schlammulde,“ sagt mein Begleiter.
Nichts ist mehr zu hören. Die Stimmen der Kanonen überbrummen alles, die Dunkelheit deckt alles zu, was dort geschieht und geschehen ist. Besser, es nicht zu sehen! Es mitzumachen ist möglich, es mitanzusehen, wäre unmöglich.
Feuerschein steht hinter der Höhe von Vimy. Er verblaßt. Es blitzt und wetterleuchtet, donnert und rumort. Feuerbalken fahren aus dem dunkeln Wald der Lorettohöhe wie ungeheure Stichflammen in die Nacht. Und ununterbrochen steigen Monde und fremde, nie gesehene Sonnen in die Nacht empor. Sie stehen da und dort, überall, bald sechs, acht zur gleichen Zeit, bald zwei, bald nahe, bald fern! Ein Mond sinkt herab und blinzelt im Fall, Scheinwerfer tasten: das Mündungsfeuer ferner Batterien. In der dunkeln Ebene tanzen fahle Lichtgarben. Grüne, rote Meteoriten, die hochfliegen und langsam sinken. Schwer und gewaltig schlägt eine deutsche Batterie da unten, sie saugt den ganzen Lärm auf und schlägt einen rasenden Wirbel. Und wieder steigt ein Schwarm gespenstischer leuchtender Bälle in die Nacht.
Es ist eine Gespensterküste mit hundert wechselnden und fremden Feuern, die sprühen und blinzeln, eine höllische Küste mit unverständlichen Signalen. Ich kann mir denken, daß ein Seemann, der ein Leben lang die Küsten aller Kontinente ansteuerte, im Fieber, im Wahnsinn eine Küste wie diese erblickt und verzweifelt vor diesen fremden, verwirrenden Feuern.
Ja, wohlverstanden, es ist die Küste eines fremden, geheimnisvollen Landes, und viele von denen, die da drüben kämpfen, werden noch in dieser Nacht, in dieser Stunde ihren Fuß auf das ferne, unbekannte Gestade setzen.
Ein tapferes Regiment
Im Juni