Die Herren waren in bunten Kostümen, einige im Frack und einer, Postadjunkt Kaiser, saß in weißen Hemdärmeln da. Sie spielten Karten. Sie erhoben sich mit vielem Tumult und warfen einander Blicke zu. Man war nicht sonderlich erfreut über den Gast, das konnte jeder sehen. Aber die Herren verbeugten sich höflich.

Grau sah sie mit freundlichen, leuchtenden Augen an. „Ich bedaure unendlich im Falle ich stören sollte,“ jagte er leise und verlegen, „Herr Dr. Nürnberger hatte die Liebenswürdigkeit mich einzuladen.“

Plötzlich schlug ein dicker Chinese mit einem großen gelben Schirm auf dem Rücken ein lautes Gelächter auf und einige fielen ein.

„Willkommen, Pfirsichblüte, im Reiche der Mitte!“ schrie der dicke Chinese und machte eine tiefe Verbeugung. Er drückte Grau die Hand und setzte hinzu: „Im bürgerlichen Leben heiße ich Richter, Professor Richter, Doktor der Naturwissenschaften.“

Der Arzt schob ihn beiseite. „Erlauben Sie doch, Professor,“ sagte er, „und geben Sie den Herren Gelegenheit ihrer gesellschaftlichen Pflicht zu genügen. Sie gestatten, die Herren, Herr Grau —“

Er machte Grau mit den Herren bekannt. Da waren Amtsrichter Leutlein, ein gutmütig aussehender Herr mit blaurasiertem Gesichte und spärlichem flaumigen Haar auf dem runden Schädel, Rechtspraktikant Schmidt mit scharfen stechenden Augen, vielen Schmissen, hohem Stehkragen, peinlich gestriegelt und gebügelt, Redakteur Heinrich, vom „Gauboten“, ein kleiner Mann mit struppigen schwarzen Haaren, der die Angewohnheit hatte, immer die Zungenspitze herauszustrecken und heiter auf seinen Bauch herabzulächeln, Assistent Pechmann, ein langer Mensch mit hellblauen träumerischen Augen, der junge Freiherr von Hennenbach, ein junger bartloser Lehrer, der so betrunken war, daß er leichenblaß aussah und die Augen weit aufreißen mußte um zu sehen.

Die Herren hatten alle ein wenig über den Durst getrunken. Sie lachten sonderbar, sie verbeugten sich zu tief oder schief, dem Rechtspraktikanten fiel der Kneifer von der Nase, Redakteur Heinrich setzte sich beinahe neben den Stuhl, als er sich niederließ. Ihre Augen waren scharf oder ausdruckslos, die Vorhemden zerknittert, fast jeder hatte irgend etwas Lächerliches an sich, einen Schmutzflecken, einen emporstehenden Haarbüschel, die Krawatte war in Unordnung oder das Kostüm so zugeknöpft, daß oben ein Knopf übrig blieb. Sie rauchten alle und es war solch ein Rauch im Zimmer, daß man kaum die Wände sah. Sie saßen um einen ovalen Tisch herum, über dem eine Hängelampe brannte. Auf dem Tisch herrschte ein wüstes Durcheinander und eine Manschette rollte darauf herum.

„— Herr Redakteur Heinrich, die Herren kennen sich, Pardon — auch Herr Eisenhut wird Ihnen schon persönlich bekannt sein —“

Eisenhut beachtete Grau nicht; er rief: „Spielen, weiter spielen, ich habe zwei Mark von der Bank gut! Keine unnötigen Pausen, meine Herren!“ Er trommelte auf den Tisch und lachte.

„Er ist in etwas ungenießbarer Stimmung heute, unser Herr Eisenhut,“ entschuldigte ihn der Arzt. „Herr von Hennenbach!“