„Erlauben Sie,“ sagte Grau, „das hat man schon vor Tausenden von Jahren erkannt. Es springt ja in die Augen und ist das Natürlichste. Aber seit Tausenden von Jahren haben sich nun die Weisen mit diesen Problemen beschäftigt, über Recht und Pflicht, den Einzelnen und die Gesamtheit, über Tugend und Laster — sie haben darüber nachgedacht, haben sich die Köpfe zerbrochen — die Allerweisesten der Menschen — ich bin ja ein Nichts im Verhältnis zu diesen Köpfen — aber mir erscheint nichts lächerlicher und kleinlicher als der Egoismus.“

In diesem Augenblick wurde die Sektbowle von der schönen Wirtin hereingetragen und mit lautem Hallo begrüßt. Der Redakteur ließ seinen Festbericht im Stiche und führte einen indianischen Tanz auf. Eisenhut pfiff auf einem Schlüssel und der Adjunkt segnete die Bowle mit feierlichen Gebärden. Herr von Hennenbach kam mit der schönen Wirtin herein und faßte sie um die Hüfte. Der leichenblasse Lehrer schlief in der Sofaecke, er erwachte bei dem Geschrei, blickte auf die Bowle, machte eine abwehrende Handbewegung und schlief weiter.

Die Bowle brachte neues Leben in die Gesellschaft. Man sang einen Rundgesang und stürzte sich dann mit neuem Eifer auf das Spiel. Eisenhut hielt noch immer die Bank. Er sah bleicher und erregter aus, schrie und lachte mehr als alle. Zuweilen lauschte er gegen die Türe, wenn die Musik hereindrang, dann bellte er, trommelte und sprach sinnloses Zeug.

„Ich werde jetzt mein Kostüm ausziehen!“ schrie er.

„Du bist ein Chinese auch ohne Kostüm!“ sagte der Adjunkt und der Witz fand großen Beifall.

„Vorsicht!“ sagte Eisenhut böse und deutete mit dem Zeigefinger auf den Adjunkten, aber augenblicklich lachte er wieder heiter.

Herr von Hennenbach nahm wieder am Spiele teil. Es schien als ob das Glück sich ihm zuwende. Er strich sich aufgeregt das schwarze, glänzende Haar aus der bleichen hohen Stirne und lachte.

„Es beginnt!“ rief er. „Nur los, Eisenhut! Ich brauche Geld! Noch eine Karte, wenn ich bitten darf. Ich setze zehn Mark!“

Aber er verlor, und obgleich Eisenhut unvorsichtig spielte, verlor der Freiherr fortwährend. Er wurde noch aufgeregter und erbleichte mehr und mehr. Er setzte nun stets zwanzig Mark.

„Zum Teufel!“ schrie er und lachte nervös.