Aber Eisenhut schrie nur um so lauter. „Das lasse ich mir nicht bieten. Erzlügner? Muß ich mir denn —“
„Hören Sie mal! Eisenhut!“ sagte Professor Richter und faßte Eisenhuts Arm. Aber Eisenhut stieß ihn zurück, er stieg auf das Sofa.
„Es hat gar keinen Sinn!“ sagte er. „Gar keinen Sinn — Fräulein von Hennenbach hat mich verhöhnt — vor allen Leuten — ich habe aber hundert Mark bezahlt für ein Glas Sekt — sie hat mir nicht einmal die Hand gegeben — dann zerbrach ich ein Glas — Ja, ich kam hierher und freute mich. Ich freute mich so sehr. Ich war allen dankbar, euch allen — aber wie begann es. Es begann mit den hundert Mark! Ich hasse euch alle, alle! Ich hasse euch, ihr Hunde und Lügner! Und auch Sie hasse ich, Fräulein von Hennenbach — mehr als alle! Bin ich geizig, bin ich schmutzig, ich? Wie? Ihr alle seid mir Geld schuldig, sechzehntausend Mark seid ihr mir alle zusammen schuldig — bin ich geizig? Ihr lacht?!“ Er fuhr rasch in die Tasche und zog den Pack Banknoten heraus. „Es ist mir alles einerlei — hier, ich zerreiße das Geld — alles, alles — nehmt es, ihr Bettler! — ich hasse euch!“
Man schrie, lachte und stieß Eisenhut vom Sofa herunter.
Adele sagte: „Lassen Sie ihn doch! Er klebt die Stücke ja morgen doch wieder zusammen.“
Eisenhut richtete die Blicke auf sie. Er schloß einen Augenblick lang die Augen und hatte das Aussehen eines Menschen, der das Gefühl hat, in die Tiefe zu stürzen. Er legte auch die Hände auf den Tisch um sich zu stützen.
„Sie sagen das!“ sagte er mit böse funkelnden Augen. „Sie! Nach all dem was vorgefallen ist!“
Adele stand auf. „Herr Eisenhut!“ sagte sie und erbleichte.
Eisenhut machte eine verzweifelte Gebärde. Er blickte Adele an und plötzlich änderte sich der Ausdruck seines Gesichtes vollständig. Er errötete und wurde wieder bleich. Seine Augen füllten sich mit Tränen. Er rang die Hände und schrie: „Ich bin schlecht, schlecht, ich bin — seht alle her, wie schlecht ich bin! Ja, bei Gott, bei allen Göttern, verzeihen Sie mir, Fräulein von Hennenbach! Ha! Oh, was habe ich gesagt! Was habe ich gesagt? Was sollte denn vorgefallen sein? Daß Sie freundlich zu mir waren und mich einluden zum Tennis? Jeder weiß, daß nichts vorgefallen ist. Ich beleidigte Sie — ich wollte Sie beleidigen, das ist es! Sie müssen es vergessen. Sie haben recht, ich habe ja schon öfters Banknoten zerrissen und wieder zusammengeklebt. Sie sagten die Wahrheit — ja, bei Gott —“