Adele setzte sich in den Sessel.

Sie sagte: „Wer hätte denn denken können, daß er krank war und daß es so schnell mit ihm zu Ende gehen könnte.“

Mütterchen seufzte. „Sie war immer ein schwächliches Kind.“

Nach einer Weile sagte Adele: „Hat er viel leiden müssen?“

Mütterchen antwortete lange nicht. Dann sagte sie: „Nein, sie hat einen sanften Tod gehabt. Sie wußte gar nicht, daß sie sterben sollte.“ Darauf nickte sie mit dem Kopfe und sagte mit leiser singender Stimme: „Susanna? Susanna?“

Adele schauerte zusammen; sie ging.

Auf der Brücke stand Eisenhut und wartete. Er zog den Hut, verbeugte sich und nahm einen Brief aus der Tasche.

„Ich habe einen Brief an Sie abzugeben, gnädige Frau,“ sagte er, „außerdem hätte ich es ja nicht gewagt Sie anzusprechen.“

Adele lächelte und gab ihm die Hand. „Sie sind es, Herr Eisenhut! Ich freue mich Sie zu sehen. Es war schön von Ihnen, daß Sie heute eine Rede — —“

Eisenhut sah sie überrascht an. Sie hatte sich sehr verändert, bleich sah sie aus und gleichsam um viele Jahre älter, auch ihre Stimme klang ganz anders. Sie begann laut zu sprechen, aber ihre Stimme sank rasch zu einem Flüstern herab, so daß man die letzten Worte nicht mehr verstehen konnte.