„Es ist nichts mit Ihnen anzufangen!“ sagte kühl das junge Mädchen und wandte sich den Freundinnen zu.
Eine Weile blieb es still, dann begann sie von neuem: „Lassen Sie sich’s gesagt sein,“ sagte sie, „daß ich meinem Bruder nicht mehr erlaube, Sie zu besuchen. Sie treiben es zu toll bei Ihren Gelagen. Das ist ja die reinste Lasterhöhle. Vier Nächte nacheinander hat er mit Ihnen durchgezecht. Es wird auch Hasard gespielt, nicht wahr? Heute nacht hat er zweihundert Mark dabei verloren.“
„Was hat er verloren?“
„Zweihundert Mark. Er hat sie heute von mir verlangt. Weiß Gott, es ist unrecht von Ihnen. Natürlich muß er bezahlen, wenn er sein Ehrenwort gegeben hat, aber es ist eine Sünde von Ihnen, er ist noch so jung.“
Der schiefschultrige Mann lachte laut heraus. „Aber es ist ja keine Silbe wahr von all dem, was Sie da sagen!“ rief er. „Keine Silbe, nicht eine einzige Silbe! Er war eine ganze Woche nicht bei mir, kein Mensch war bei mir. Wie kann er da zweihundert Mark verloren haben, wie denn? Ich habe nicht mit ihm gespielt, das schwöre ich Ihnen!“
„Schon gut! Sie werden es ja nicht eingestehen, Sie werden es leugnen. Das ist selbstverständlich. Ich werde Ihnen aber die Polizei ins Haus schicken, mein Herr! Daß Sie es nur wissen. So wahr ich hier gehe, das werde ich tun. Es ist Ihnen doch bekannt, daß Hasard polizeilich verboten ist, nicht wahr?“
Der Mann rasselte mit den Schlittschuhen, warf dem Mädchen einen bösen Blick zu, aber dann lachte er wieder. „Was Sie nicht sagen?“ rief er aus. „Ich bekümmere mich nicht um die Polizei. Sehen Sie, ich stecke jedem eine Flasche Wein in die Tasche und dann gehen sie wieder. Übrigens, Fräulein von Hennenbach, hat gerade Ihr Herr Bruder das Spiel eingeführt. Er brachte es von Monte Carlo mit.“
Es blieb einen Augenblick still, dann erwiderte das Mädchen: „Er war ja nie in seinem Leben in Monte Carlo, niemals!“
„Also hat er auch keine hundertundfünfzigtausend Mark dort verloren, wie? Also lügt er?“
„Er macht sich einfach lustig über Sie, das ist alles!“