Allan wandte Ethel, die ihn während des ganzen Gespräches betrachtet hatte, den Blick zu und grüßte.
„How do you do, Mr. Allan?“ sagte Ethel lebhaft und reichte Allan mit der ganzen Natürlichkeit und Freimut ihrer Rasse die Hand, wobei sie ihm offen ins Gesicht blickte. „Das also ist er!“ fügte sie nach einer kurzen Pause mit feinem, ein wenig schalkhaftem Lächeln hinzu, hinter dem sie ihr Interesse für seine Person zu verbergen suchte.
Allan verbeugte sich und wurde verwirrt, denn mit jungen Damen wußte er gar nichts anzufangen.
Es fiel ihm auf, daß Ethel übermäßig stark gepudert war. Sie erinnerte ihn an ein Pastellgemälde, so zart und weich waren ihre Farben, das Blond ihrer Haare, das Blau ihrer Augen und das feine Rot ihres jungen Mundes. Sie hatte ihn wie eine große Dame begrüßt und doch klang aus ihrer Stimme etwas Kindliches, als sei sie nicht neunzehn (das wußte er von Hobby), sondern zwölf Jahre alt.
Allan murmelte eine Höflichkeitsphrase; ein leicht verlegenes Lächeln blieb auf seinem Munde stehen.
Ethel betrachtete ihn immer noch aufmerksam, halb wie eine einflußreiche Dame, deren Interesse eine Huld ist, und halb wie ein neugieriges Kind.
Ethel Lloyd war eine typisch amerikanische Schönheit. Sie war schlank, geschmeidig und dabei doch weiblich. Ihr reiches Haar war von jenem seltenen zarten Goldblond, das die Damen, die es nicht besitzen, stets für gefärbt erklären. Sie hatte auffallend lange Wimpern, in denen Spuren von Puder haften geblieben waren. Ihre Augen waren dunkelblau und klar, erschienen aber infolge der langen Wimpern leicht verschleiert. Ihr Profil, ihre Stirn, das Ohr, der Nacken, alles war edel, rassig und wahrhaft schön. Aber auf ihrer rechten Wange zeigten sich schon die Spuren jener entsetzlichen Krankheit, die ihren Vater verunstaltet hatte. Von ihrem Kinn aus zogen hellbraune, vom Puder fast zugedeckte Linien, wie Fasern eines Blattes, bis zur Höhe des Mundwinkels, einem blassen Muttermal ähnlich.
„Ich liebe es, mit meiner Tochter über Dinge zu plaudern, die mich lebhaft interessieren,“ begann Lloyd wieder, „und so dürfen Sie es mir nicht übelnehmen, daß ich mit ihr über Ihr Projekt gesprochen habe. Sie ist verschwiegen.“
„Ja, ich bin verschwiegen!“ versicherte Ethel lebhaft und nickte lächelnd mit dem schönen Kopf. „Wir haben stundenlang Ihre Pläne studiert und ich habe mit Papa so lange darüber geplaudert, bis er selbst ganz begeistert war. Und das ist er jetzt, nicht wahr, Papa? (Lloyds Maske blieb bewegungslos.) Papa verehrt Sie, Herr Allan! Sie müssen uns besuchen, wollen Sie?“