Spät in der Nacht legte er sich schlafen und er war froh, wenn er ein paar Stunden ruhte, ohne von entsetzlichen Träumen gemartert zu werden.
Ein einzigesmal speiste er bei Lloyd zu Abend.
Ethel Lloyd sprach mit ihm vor Tisch. Sie zeigte einen solch aufrichtigen Schmerz über den Tod Mauds und Ediths, daß Allan sie fortan mit ganz anderen Augen betrachtete. Sie schien ihm plötzlich um viele Jahre älter und reifer geworden zu sein.
Allan verbrachte einige Wochen ununterbrochen im Tunnel.
Eine Unterbrechung von einigen Wochen, die sich bei regulärem Betrieb nur durch ungeheure finanzielle Opfer hätte ermöglichen lassen, war ihm im Grunde genommen ganz erwünscht. Durch die atemlose jahrelange Arbeit waren alle Ingenieure erschöpft und brauchten Ruhe. Dem Arbeiterausstand legte er keine große Bedeutung bei. Nicht einmal dann, als die Union, die Gewerkschaften der Monteure, Elektriker, Eisen- und Betonarbeiter, Maurer, Zimmerleute die Sperre über den Tunnel verhängten.
Vorläufig galt es, die Stollen zu verwalten, wenn sie nicht in kurzer Zeit verwahrlosen sollten. Für diese Arbeit stand ihm ein Heer von achttausend Ingenieuren und Volontären zur Verfügung, das er über die einzelnen Strecken verteilte. Mit einer heroischen Anspannung der Kräfte verteidigten diese achttausend das riesige Werk.
Monoton gellten die Glocken vereinzelter Züge durch den öden Tunnel. Der Tunnel schwieg, und alle brauchten lange Zeit, um sich an die Totenstille der Stollen zu gewöhnen, die früher dröhnten von Arbeit. Die Truppe der Tiefbautechniker, Eisenkonstrukteure, Elektrotechniker, Maschineningenieure fuhren die europäischen, atlantischen und amerikanischen Stollen ab. Jede Schiene, jede Schwelle, jede Niete und jede Schraube wurde sorgfältig revidiert und notwendige Korrekturen und Verbesserungen gebucht. Geometer und Mathematiker prüften genau Lage und Richtung der Stollen. Die Maße wichen nur um geringes von den berechneten ab. Am größten waren die Abweichungen der atlantischen Strecke des „fetten Müllers“, wo sie drei Meter in der Breite und zwei Meter in der Tiefe betrugen — Differenzen, die sich auf Ungenauigkeiten der Instrumente, die von den enormen Massen von Gestein beeinflußt wurden, zurückführen ließen.
In der verhängnisvollen Schlucht waren Tag und Nacht tausend halbnackte, schweißtriefende Arbeiter der Cleveland Mining Co. mit dem Bohren, Sprengen und Fördern des lockergelagerten Submariniums beschäftigt. Die tropisch-heiße Schlucht heulte und brandete von Arbeit, ganz als sei nie etwas geschehen. Die Tagesproduktion hatte einen ungeheuren Wert.
Im übrigen aber war alles tot. Die Tunnelstadt war wie ausgestorben. Wannamaker hatte sein Warenhaus geschlossen, das Tunnelhotel die Pforten zugemacht. In den Arbeiterkolonien hausten Weiber und Kinder, die Witwen und Waisen der Verunglückten.